Freitag, 30. Dezember 2011

Hardcore-Forschung aus dem deutschen Hinterland - ein Erfahrungs- und Leidensbericht

Über Quäkerforschung kursieren mitunter die merkwürdigsten Vorstellungen. So mancher bildet sich ein, man würde immer hinter dem PC sitzen und dabei eine Menge Geld verdienen. Beides ist ein krasser Irrtum – Quäkerforschung ist mitunter extrem anstrengend, und anstatt etwas dabei zu verdienen, zahlt man obendrauf. Eine Unsumme habe ich in den letzten zwanzig Jahren bestimmt in Buchprojekte, Forschungsreisen, Bildrechte etc. investiert – an die Arbeitsstunden darf man dabei gar nicht denken. Einfach unbezahlbar. Aber ich gebe zu: es macht auch einen Riesenspass und ich lerne Menschen dabei kennen, denen ich ansonsten nie begegnet wäre.

Ein Höhepunkt der Tiefpunkte war meine Reise zum Quäkerfriedhof Hille im vergangenen Jahr 2011.

Neu: Quäkertexte als e-book

In Kooperation mit meinem langjährigen Verlag Bautz können jetzt zwei meiner Quäkerbücher auch als e-book erworben werden. Das hat auch den Vorteil, dass man über die Suchfunktion schnell das findet, was einen gerade interessiert.

Es handelt sich um meine Quäkerbibliographie und um "Quäker aus Politik, Wissenschaft und Kunst" - also die beiden Bücher, die sich mit Abstand am besten verkauft haben:





Derzeit scheint es, als ob ich tatsächlich als erster deutsche Quäkerbücher als e-book anbiete - andere werden bald folgen, davon bin ich überzeugt. Es ist die Zukunft, und es ist eine Frage der Zeit, wann die DJV hier endlich nachzieht. Vielleicht wird ja eines Tages einmal die Richard-Cary-Vorlesung als e-book vertrieben? Schön und sinnvoll wär's.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ökumenischen Rundschau: Anfänge der ACK



Am 15. Dezember 2011 hat mich Karl-Heinz Voigt angeschrieben und mich auf einen Beitrag in der Ökumenischen Rundschau (April 2009, 58. Jg., Heft 2, S. 235-250) hingewiesen mit der Bitte um Bekanntmachung. In der Tat war mir dieser wertvolle Text "Von der ökumenischen Friedensfahrt 1908 zur Bildung der ACK 1948" bislang unbekannt und ist leider nicht in meiner "Deutschen Quäkerbibliographie" aufgenommen (kommt aber in die dritte Auflage).

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Margarethe Lachmund: Briefe

Kurz vor Weihnachten bekam ich das Buch "Seinen Ort finden", welches 2002 in Berlin in zweiter Auflage erschienen ist, anlässlich einer kleinen Fotoausstellung, die auch im Berliner Antikriegsmuseum zu sehen war. Ich staunte nicht schlecht, als ich darin Briefe von Clara Grunwald an Margarethe Lachmund fand.
Margarethe Lachmund (1896-1985) war einst eine der führenden Quäkerinnen Deutschlands. Mich persönlich interessieren ihre Briefe, da Lachmund mit Hunderten von Personen einen intensiven Briefverkehr pflegte, aus dem man die Quäkergeschichte aus einem ganz persönlichen Blickwinkel kennen lernen kann.

Da staunt auch der Koala: "Seinen Ort finden"

Weihnachten - mitfeiern oder nicht?

Einer der Artikel, die ich mir über die Feiertage zu Gemüte geführt habe, war dieser von Anne Kampf:

http://www.evangelisch.de/themen/religion/von-jesus-nachfolgern-die-kein-weihnachten-feiern55037

Zu dem Thema Quäker und Weihnachten könnte man natürlich ein ganzes Buch schreiben. Allein in der deutschen Vereinszeitschrift "Quäker" erschienen bislang immerhin elf Beiträge zu diesem Thema, die meisten allerdings vor 1960. Danach wird es etwas ruhiger um dieses Thema. Interessant finde ich immer wieder, dass das Osterfest bzgl. Quäker fast niemanden interessiert, obwohl es ja für Christen das wichtigere Fest ist. "Feierst Du Ostern" bin ich noch nie gefragt worden, aber wegen Weihnachten wollten allein in diesem Jahr drei Personen etwas wissen.

Quäkergemeinde Minden, Teil 2

Nun, kurz vor Weihnachten 2011, konnte doch noch der zweite Teil meiner "Geschichte der Quäkergemeinde Minden" erscheinen. Der Aufsatz hat den Untertitel: "Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu ihrer Selbstauflösung 1898". Der erste Teil war schon 2010 erschienen.
  
                                                           

Was also kann man vom zweiten (und letzten) Teil erwarten??

Dienstag, 13. Dezember 2011

Vortrag zum Thema „Himmlisches Jerusalem“

Am 18.12.2011 werde ich einen kleinen Vortrag zu Thema „Himmlisches Jerusalem“ halten. Dabei werde ich vor allem Bildmaterial zeigen und auch zum Gespräch über Jenseitsvorstellungen anregen. Der Vortrag findet statt am kommenden Sonntag, bei den Münchener Quäkern, gegen 14 Uhr.

DJV nur zweitgrößte Versammlung deutscher Quäker

Bei Gruppenabenden der Quäker fällt zur Zeit immer wieder ein Gesprächsthema auf: die Sorge um die schrumpfende Mitgliederzahl. Dazu gab es vor einiger Zeit einen Beitrag in der Mitgliederzeitschrift „Quäker“, der immer noch aktuell ist: DJV nur zweitgrößte Versammlung deutscher Quäker.

Eine kleine Meldung am Rande: Großbritannien ist ein Land der Immigration. Globalisierung und Massenerwerbslosigkeit haben seit Mitte der 1990er Jahre vermehrt Deutsche auf die Insel gebracht. Nun haben sich die britischen Quäker einmal dafür interessiert, welche Nationen in ihren Zusammenkünften versammelt sind. Ein Ergebnis überrascht:

Konfessionskundliche Institut Bensheim

Im November 2011 gab es im Konfessionskundlichen InstitutBensheim eine gelungene, lebendige Veranstaltung, die ich in einer (gedruckten) Nachbetrachtung demnächst noch näher besprechen möchte.



Ich kann jedem Quäker und am Quäkertum Interessierten empfehlen, sein Wissen und seine Praxis in einem solchen Seminar zu erweitern.

Ausschlüsse und Andachtsverbot bei Quäkern - eine Nachfrage

Das Thema Sanktionen, Gemeindezucht und Ausschluss beschäftigt mich schon seit einigen Jahren, und erst kürzlich hat dieses schwierige Thema in München durch ein „Verbot zur Andacht“ neue Brisanz bekommen (Siehe die Darstellung des Betroffenen)

Bevor man sich eine Meinung bildet, ist es oft hilfreich, in die Geschichte und auf andere Quäkerversammlungen zu sehen.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Konsumterror, Arbeitswahn und wahre Befriedigung unserer Bedürfnisse

Frustshoppen ist leider die Freizeitbetätigung Nummer eins in westlichen Industriestaaten. Viel zu wenig wird vor dieser Sucht gewarnt, die den Menschen von innen heraus aushöhlt. Möglich wird das Dauershoppen nur durch vollen Arbeitseinsatz, und schon hat sich der Teufelskreislauf geschlossen, die Mausefalle ist zugeschnappt. Dann heißt es allein: leben, um zu arbeiten. Hier hilft nur eine radikale Umwertung und Neubewertung, eine Metaonoia der Ökonomie, eine Selbstbeschränkung und Besinnung auf die Einfachheit.

Kriegsdienstverweigerung - Militärdienstverweigerung

Die Geschichte der Kriegsdienst- oder Militärdienstverweigerungen wird größtenteils innerhalb der Geschichte des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs untersucht, und dann, wenngleich schon weniger intensiv, auch innerhalb der Geschichte der BRD und innerhalb der des Ersten Weltkriegs. Auch zur Wehr- und Kriegsdienstverweigerung, bzw. zu den Bausoldaten in der DDR liegen bereits verschiedene Untersuchungen vor. Eine im engeren Sinne wissenschaftliche Literatur zu dem Problem der Kriegsdienstverweigerungen von deutschen Quäkern existiert hingegen kaum. Lediglich in einigen älteren Arbeiten aus dem Umkreis der deutschen Quäker, die für die eigene Sache warben, wurde sich des Themas angenommen. Dass es aber im 19. Jahrhundert Kriegsdienstverweigerungen aus Gewissensgründen in Preußen gegeben hat, ist weitgehend unbekannt. Die hartnäckigsten Verweigerer, die unter keinen Umständen zum Waffendienst gebracht werden konnten, finden sich aber im Umfeld der Quäker, die ihr pazifistisches Denken auch durch Publikationen in ganz Deutschland bekannt zu machen suchten. 

Die Fälle kann man jetzt in einer umfangreicheren Online-Publikation nachlesen: 


Ich sollte vielleicht noch auf folgende lesenswerte Arbeit hinweisen, die bei Abschluss meiner Untersuchung noch nicht verfügbar war:


Christian Scharnefsky: ‚Aktiver Pazifismus’, radikale Kriegsdienstverweigerung und Religion. Die Beziehungen zwischen der War Resisters International, den Quäkern und dem International Fellowship of Reconcilliation 1920-1950, in: Helke Stadtland (Hrsg.): ‚Friede auf Erden’. Religiöse Semantiken und Konzepte des Friedens im 20. Jahrhundert, Essen 2009, S. 171-191.


Freitag, 9. Dezember 2011

Und noch eine Neuerscheinung: Quäkerschule Eerde 1937-1943

Ebenfalls neu erschienen ist jetzt das Tagebuch von Klaus Seckel. Dem Tagebuch ist ein äußerst interessanter Beitrag von Rainer Kappe angehängt: „Verfolgung und Deportation der Juden in den Niederlanden“, der mir zu meinen Studien zu dem Ehepaar Manfred und Lili Pollatz von großem Nutzen war.

Deutscher Quäkerroman von Mechtild Lutze

Wer kennt Arthur R. G. Solmssens „Berliner Reigen“? Mal ehrlich: niemand. Zumindest in Quäkerkreisen sollte dieser Roman von 1980 nicht ganz ignoriert werden, denn immerhin ist dort in dem Kapitel „Stille mit Stimmen“ eine fiktive Quäkerandacht der Berliner Gruppe beschrieben – durchaus lesenswert und gekonnt geschrieben.

                                               
Der Koala ist begeistert: endlich mal ein Quäkerbuch mit Australien!!

Nun hat die Berlinerin Mechtild Lutze nachgelegt:

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Problematische Ausstellung: DJV ehrt ehemaligen Nazi-Künstler

Die DJV veranstaltet neuerdings in der Berliner Planckstraße kleine Kunstausstellungen. Da nur die wenigsten Mitglieder der DJV die Möglichkeit haben, diese vor Ort anzusehen und ansonsten nirgendwo über die Ausstellung berichtet wurde, erlaube ich mir hier kurz einige Überlegungen.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Friedensblog der DJV: abschalten oder ausbauen?

Der Friedensausschuss betreibt tatsächlich einen Blog, oder versucht es zumindest:

Ich muss sagen, dass ich kaum auf diese Seite komme, und wenn nicht The Independent Friend kürzlich davon berichtet hätte (http://www.the-independent-friend.de/?q=node/797), hätte ich mich an den Friedensblog gar nicht mehr erinnert.

Der letzte Eintrag stammt vom September 2010, ist also gut 15 Monate alt. Dabei wäre das Thema eigentlich gerade für Quäker wichtig und ich weiß, dass genügend Leute zu Friedens- und Versöhnungsfragen schreiben, auch im Internet.

Mottokalender 2012

Kerstin Mangels kennen viele Leser hier als langjährige Quäker-Redakteurin. Viele Hefte dieser Zeitschrift wurden von ihr mit Sprüchen zur Inspiration und zum Nachdenken bereichert.

Jetzt gibt es von ihr einen günstigen Mottokalender "Freude und Inspiration verschenken" für das Jahr 2012.

Der Kola ist begeistert: endlich mal was für den kleinen (Geld)Beutel!

In dem Kalender finden sich geniale Sprüche, auch von Quäkern,

Montag, 5. Dezember 2011

Unser Buch: Zitate zum Denken und Nachdenken

Immer wieder stoße ich beim Lesen auf Quäkerzitat, die für das Projekt "Unser Buch" http://unserbuch.wikispaces.com geeignet sind und gerne weiterempfehle:

Eberhard Küttner (1949-2011):
 „Erfahrung ist nicht das, was uns widerfährt, sondern das, was wir für uns daraus machen“.

Otto Buchinger (1878-1966):
„Verringre dein Gepäck, dann kommst du schneller aus dem Dreck“.
(gefunden in: Otto Buchinger: Ums Ganze, Bad Pyrmont 1947, S. 101)

Jochen Dudeck, (geb. 1953)
 „Jesus steigt nicht vom Kreuz herab. Nur durch das ‚Kreuzholz der Realität’ hindurch kann es ‚Auferstehung’ geben, Offenheit für das, was möglich ist“.
(gefunden in: Zeitschrift Quäker, 2006, S. 231)

Erstes Toleranzedikt von 1800 entdeckt


Eine kleine Sensation, die die Welt zwar nicht in ihren Grundfesten erschüttern wird, aber doch eine Meldung wert ist, ist das erste Toleranzedikt des preußischen Staates gegenüber den deutschen Quäkern. Es ist bislang weder in der Wissenschaft noch in Quäkerkreisen bekannt, und ich habe es eigentlich per Zufall vor einigen Jahren im Geheimen Preußischen Staatsarchiv (Berlin) entdeckt.
Ich gebe hier zum ersten Mal den gesamten Text wieder. Die Situation war, kurz gesagt, Folgende:

Sonntag, 4. Dezember 2011

"Zehn kleine Quäkerlein": jetzt wird gesungen

Neu erschienen ist jetzt also ein Liedbuch der DJV. Was (vor allem jüngere Quäker) nicht wissen: es ist nicht das erste Liedbuch der deutschen Quäker. Schon 1935 erschien ein gleichnamiges Buch "Lieder der Freunde", dessen Entstehungshintergrund nicht uninteressant ist, auf den ich hier aber nicht eingehen kann.

Der Kola ist skeptisch: muss das sein?

Das neue Buch von 2011 hat also ebenfalls den Titel "Lieder der Freunde". Ein Vorwort fehlt leider, und auf der Homepage der DJV (http://www.rgdf.de) wurde über das neue Buch mit keinem Wort berichtet. Es wäre doch angemessen, dort über diese Neuerscheinung einmal zu informieren. Nicht einmal bei der Kategorie "Literatur" wird es zum Verkauf angeboten, dagegen immer noch "Vom Sinn und Endzweck des Lebens" aus dem Jahre 1947!

Fricke raus, Tempel rein: Anmerkungen zur Wikipedia

Ich bekenne es freimütig: ich nutze Wikipedia täglich, an manchen Tagen mit bis zu hundert Anfragen. Zwar habe ich mich bis auf wenige Ausnahmen an der Artikelerstellung nicht beteiligt, ich freue mich aber, wenn andere dort neue Informationen über das Quäkertum einbringen. Insofern ist der Eintrag zu Konrad Tempel und Helga Tempel eine Meldung wert:

und

und ein echter Gewinn. Es bleibt zu hoffen...,

Freitag, 2. Dezember 2011

...und immer wieder Quäkersuppe

Die Quäkerspeisung führt alljährlich zu Neuerscheinungen. Nicht immer wird wirklich Neues geboten, meist sind es "aufgewärmte Suppen". So auch ein Mini-Beitrag im Heft drei des sechsten Bandes der Zeitschrift "Historikus Vogtland: Geschichtsmagazin" (2011, S. 22-23).

Online ist der Beitrag nicht, aber man kann sich das Heft hier bestellen:

Quäker und Juden im Dritten Reich

Alan Nothnagle, Dolmetscher, Journalist und Buchautor, hat meinen Beitrag zu Quäker und Juden im Dritten Reich hier ausführlicher besprochen (v.a. in dem Abschnitt "we belong to the Fatherland"):

http://open.salon.com/blog/lost_in_berlin/2011/06/01/germanys_free_churches_versus_the_jews

Viele deutsche Quäker haben in diesen Jahren vorbildlich gehandelt:

Quäker und Mennoniten: MennLex



Vor einigen Jahren wurde ich vom Mennonitischen Geschichtsverein gebeten, mich an dem neuen Mennoniten-Lexikon zu beteiligen. Ich habe mich gerne für drei Beiträge bereit erklärt, nämlich


Da solche Arbeiten unbezahlt...