Sonntag, 16. April 2017

Das Quäkertum in Deutschland, Neuerscheinung

 Das Quäkertum in Deutschland

Von den ersten Anfängen bis zum Kaiserreich

Studien zur Geschichts­forschung der Neuzeit, Band 89

Hamburg 2016, 468 Seiten, ISBN 978-3-8300-8927-8

Hier eine Rezension zu dem Buch aus der Zeitschrift "Ökumenische Information", 19. Juli 2016


Zum Inhalt

Das Quäkertum kommt ursprünglich aus England und hat auch in Deutschland eine inzwischen über 350jährige Geschichte. Es ist die Geschichte einer Mission, die von England und den USA aus in Preußen und vor allem im Fürstentum Pyrmont-Waldeck Spuren hinterlassen hat.

Von den ersten Anfängen der Deutschlandreise des George Fox und William Penn über die Mission von Elizabeth Fry bis hin zu den letzten Quäkerversammlungen am Beginn des Ersten Weltkriegs werden die zentralen Themen dieser Lebens- und Religionsgemeinschaft behandelt. Das sind vor allem der Pazifismus (bzw. Kriegsdienstverweigerung), die Gefängnisreform, die Eidfrage, aber auch innergemeindliche Konflikte über theologische Fragen und vornehmlich moralisches Verhalten (Eheprobleme, Alkoholfrage, interpersonelle Differenzen).

In dem Band „Das Quäkertum in Deutschland“ werden die politischen und kulturellen Verhältnisse Deutschlands einbezogen, in denen das Quäkertum sich durchsetzen konnte, gegen erheblichen Widerstand und Intoleranz vor allem des Luthertums. Vornehmlich aus dem Geist der Aufklärung heraus, aber auch aufgrund frühindustrieller Förderung und personeller Netzwerke über ganz Europa hinweg konnten sich Quäkerzentren in Bad Pyrmont, Minden, Herford, Barmen, Obernkirchen, Berlin und anderswo herausbilden und reformerisch wirken. Noch heute bekannte Persönlichkeiten hatten damals Quäkerkontakte, etwa die Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe oder Matthias Claudius, und vor allem der preußische Hochadel, wie zum Beispiel die preußische Prinzessin Luise, König Friedrich Wilhelm III. oder Kaiser Wilhelm II. Dieser Band ist auch ein neuer Beitrag zur Minderheitenforschung und zur religiösen Vielfalt, vor allem unter Einbezug angloamerikanischer Fragestellungen und Forschungen. Ergänzt wird dieses neue Standardwerk durch ein ausführliches Quellenverzeichnis, weiterführende Literaturangaben und mehrere benutzerfreundliche Register zum Auffinden spezieller Themen und Interessensschwerpunkte.





Johann Georg Gichtel, Elisabeth zu Herford, Radikalpietismus


Daß Innerste meines Hertzens mittheilen“



Herford nimmt in der frühneuzeitlichen Religionsgeschichte als Bezugspunkt heterodoxer, von der offiziellen kirchlichen Lehre abweichender, Religionsgemeinschaften eine exponierte Stellung ein. Zwar bezieht sich dies auf den relativ kurzen Zeitraum der Regierungszeit der Pfalzgräfin Elisabeth, doch die Ereignisse um Labadisten, Radikalpietisten und Quäker haben immer wieder die Forschung stimuliert. Erst jüngst wurde in einer geschichtswissenschaftlichen Dissertation die Position der Äbtissin, neben Franciscus Mercurius van Helmont und Benjamin Furley, als „Maklerfigur“ zwischen Konfessionen und religiös-heterodoxen Bewegungen charakterisiert (1).
Das Quäkertum war die wichtigste Religionsgemeinschaft der Frühen Neuzeit, die in Deutschland von außen kommend Fuß fasste. Zahlreiche Herrscher und kirchliche Würdenträger wurden gezielt von England aus aufgesucht, in Norddeutschland entstanden an verschiedenen Orten Quäkergemeinden, die in ein internationales transatlantisches Netzwerk dieser Religionsgemeinschaft eingebunden waren. Die Reaktion der Obrigkeit war differenziert, es gab Beispiele brutaler Verfolgung, und, wie hier, Beispiele bemerkenswerter Toleranz.
Im hiesigen Beitrag wird es um die interdependenten Beziehungen zwischen der Äbtissin einerseits, den Quäkern und dem Radikalpietisten Gichtel andererseits gehen. Es kann gezeigt werden, dass der Reise der Quäker nach Herford von 1677 weitere, weniger bekannte, Besuche vorausgingen, und das diese Reisen Folgen hatten, weit über Herford hinaus. An Gichtel, der 1677 ebenfalls mit Quäkern persönlich zusammentraf, zeigt sich, dass pietistisch gesinnte Persönlichkeiten über Konfessionsgrenzen hinweg miteinander kommunizierten, da es in solchen Kreisen nicht primär um Mission, sondern um eine biblisch zentrierte Lebensausrichtung und Lebensführung ging.


(1) Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt. Endzeitvisionen, Reformdebatten und die europäische Quäkermission in der Frühen Neuzeit. Göttingen 2008, S.140-146 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 143). Ein entscheidender Unterschied zwischen der Äbtissin und den anderen beiden Personen ist freilich, dass sie nicht den Quäkern angehörten.


aus: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford, 16, 2009, S. 203-220.

Sonntag, 29. Juni 2014

Daily Inspiration/Alltagsinspiration


Quäker-Kon-Tiki: ein ungewöhnliches Reise-Projekt

Freunde des historischen Reenactment kommen hier voll auf Ihre Kosten:

Horst Schiffer, ein engagierter Hobby-Historiker, möchte das Schiff nachbauen, mit dem einst Quäker und Mennoniten aus Deutschland nach Amerika auswanderten. Es war 1683: damals verließen 13 Familien aus Krefeld ihre Heimat. Die Emigranten flohen vor religiöser Verfolgung und suchten Rettung im Quäker-Staat Pennsylvania, wo William Penn und Franz Daniel Pastorius die deutschen Flüchtlinge unterstützten.

                    Source: wikimedia


„Vermutlich starteten sie ihre Reise in Uerdingen, folgten dem Rhein bis Rotterdam und fuhren rüber nach England“, vermutet Horst Schiffer. Dann segelten sie über sechs Wochen auf dem Schiff „Concord“. Es war eine Galeone von etwa 40 Metern. 57 Passagiere und 40 Matrosen lebten hier über Wochen dicht gedrängt zusammen. Am 6. Oktober 1683 legte das Schiff in Philadelphia am Delaware-Fluß an. Die 13 Familien, die auch die „Original 13“ genannt werden, bauten in Amerika die Siedlung „Germantown“ mit auf - heute einer der besseren Stadtteile von Philadelphia.

Schiffer möchte nun diese Galeone nachbauen und mit in See stechen. Das soll im Jahre 2016 sein, wenn sich das historische Ereignis zum 333. Male jährt.

Es sind noch Plätze frei.


Veranstaltungshinweis: Quäker und Bahá’í (18.07.2014)

Quäker und Bahá’í haben vieles gemeinsam, und viele Jahre war ein führender Bahá’í regelmäßig bei den Berliner Quäkern zu Gast. Vom 17. bis 20. Juni wird jetzt das 12. deutschdsprachige Irfán-Forum im Tambach-Seminar-Center im fränkischen Tambach-Dietharz abgehalten. 

Am Freitag, 18.07.2014, hält Tobias Vetter um 9:15 folgenden Vortrag:

Quäker und Bahá’í: Eine vergleichende religionssoziologische Studie. 

(mit anschließender Diskussion). Hier mehr dazu.

Heaven can wait? Warten – eine zentrales Wesensmerkmal des Christentums

Ben Pink Dandelion, einen ehemaligen britischen Punk und heute international angesehener Quäkerforscher, habe ich vor über zehn Jahren erstmals in den USA getroffen. Später habe ich in Woodbrooke (England) mehrere Kurse bei Ben besucht und bin seitdem mit ihm befreundet. Nun endlich haben auch diejenigen eine Chance, von dem Wissen von Ben Pink Dandelion zu profitieren, die nicht die Chance haben, (relativ teure) Kurse in den USA oder England zu besuchen. Und das in deutscher Sprache!

Es handelt sich um den erster Teil eines Vortrages, der 2013 anlässlich der Jahresversammlung der kanadischen Quäker in Kemptville (Ontario) gehalten wurde. Othmar F. Arnold hat ihn dankenswerter Weise übersetzt. In Auszügen wäre der Vortrag sicher etwas für die deutsche Zeitschrift „Quäker“. 
Das Zentrale am Christentum sei, nach Dandelion, das Warten: Warten auf Christus, Warten auf das Ende der Zeit, Warten auf die zweite Wiederkehr (dazu vor allem „Heaven on Earth: Quakers and the second coming“ von Doug Gwyn). So gebe es eine göttliche Zeit und eine menschliche Zeit. Zwischen beiden gibt es Übergänge und Schnittstellen: zunächst im Tod und Auferstehung von Christus, dann auch in der Erlösung jedes Menschen, der im unmittelbaren Kontakt mit Gott die Aufhebung der menschlichen (irdischen) Zeit erlebe. Neben dieser individuellen Verwandlung gibt es auch eine Transformation der gesamten Schöpfung am Ende aller Zeiten. Auch dann werde die Trennung zwischen Mensch und Gott überwunden sein (Jer. XXXI, 31-34). Einen Vorgeschmack, eine Ahnung oder ein Voraussehen sei bereits heute möglich. Gleichzeitig kommt man jedoch um weiteres Warten nicht umhin, ohne den Glauben zu verlieren, und dies ist, nach Dandelion, eine zentrale Herausforderung des Christentums.

Yotin Tiewtrakul: zu Gast bei den Quäkern in Hamburg

Yotin Tiewtrakul (geb. 1975) ist Musiker und lebt im Ansverus-Haus (Aumühle), einem Exerzitienhaus in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Sein besonderes Interesse sind unterschiedliche Formen der Stille, in christlichen wie nichtchristlichen Religionsgemeinschaften. Von daher lag es nahe, sich auch einmal mit den Quäkern zu beschäftigen, die Stille ja zu einem zentralen Element ihrer Andachtsform gemacht haben. Tiewtrakuls verfasste im Januar 2014 einen kurzen Bericht über seinen Besuch des Quäker-Gottesdienstes in Hamburg-Barmbek, wo die Quäker sich zweimonatlich treffen.

"What does George Fox say?": Video erklärt Quäker-Theologie

Die Quäker sind allgemein weniger in den „sozialen“ Netzwerken präsent, sondern setzten eher auf „reale“ zwischenmenschliche Begegnungen und Beziehungen. Untypisch ist daher der Erfolg eines kurzen Videos, in dem Theologie unkonventionell vor allem jüngeren Zeitgenossen vermittelt wird. Es hat den Titel „What does the Fox say?“ und stammt von dem Mediendesigner und Quäker Ben Guaraldi, in Anlehnung an einen Song des norwegischen Entertainerduos "Ylvis". Die meisten Mitwirkenden und Sänger sind „echte“ Quäker, auch wenn in manchen Passagen sich die Quäker eher als Shaker präsentieren!


Sein Video zeigt erst eine kurze Quäker-Andacht und parodiert dann eine ganze Anzahl von echten und angedichteten Zitaten des Quäkertum-Gründers George Fox aus dem 17. Jahrhundert – in moderner You-tube-Form für das 21. Jahrhundert: „Jesus sagte dies, die Apostel sagten das, aber was kannst du sagen?“ oder „Der Herr wohnt nicht in diesen menschen-gemachten Gebäuden, sondern in unseren Herzen“. So wird dann über die Jahrhunderte die Geschichte der Quäker erzählt – genial.

Maximilian Strnad: Stigma „jüdisch versippt“ – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949

Derzeit werden über Quäker in Deutschland so viele Dissertationen und Habilitationen wie nie zuvor verfasst. Woher dieses neue Interesse herrührt und was man davon erwarten darf, soll an anderer Stelle erörtert werden. Hier möchte ich lediglich an eine neu entstehende Studie mit Quäker-Bezug in München hinweisen, die den Titel „Stigma 'jüdisch versippt' – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949“ trägt. 

Die Studie wird von Maximilian Strnad am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München verfasst, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes, Bonn, und durch das Leo Baeck Fellowship Programme for PhD Candidates.
Sie ist weniger an institutionellen Fragen ausgerichtet oder an den andernorts bereits beschriebenen generellen Hilfsmaßnahmen; vielmehr geht es Strnad vor allem um Betreuungsakten und Korrespondenzen mit Betreuten, aus denen sich persönliche Dinge herauslesen lassen, also wie sich die Verfolgung auf das Leben der Betroffenen Frauen, Männern und Kindern auswirkte und wie diese dann darauf reagierten. Neben der Verfolgungszeit geht es in der anspruchsvollen Arbeit insbesondere um die Betreuung der ehemals Rasseverfolgten nichtjüdischen Glaubens nach 1945. Die Quäker haben auch über 1945 hinaus wieder mit dem Büro Grüber und dem Hilfswerk von Margarete Sommer zusammengearbeitet, was bislang kaum erforscht ist.

Montag, 26. Mai 2014

Friedenszeugnis der Mennoniten

Nicht nur die Quäker haben ein Friedenszeugnis, sondern auch die Mennoniten. Wenngleich die Begründungen beider Zeugnisse unterschiedlich sind, so sind die Auswirkungen durchaus vergleichbar. Die deutschen Mennoniten (Verband deutscher Mennonitengemeinden) haben eine aktuelle Publikation herausgebracht, die mit Kommentaren und Arbeitshilfen das Friedenszeugnis umfassend vorstellt. Das Heft hat den Titel: „Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende“. 


Im Vergleich zu dem Jahrhunderte alten Friedenszeugnis der Quäker ist das der Mennoniten jung: es wurde am 4. Juli 1987 von der Ältesten-, Prediger- und Diakonenversammlung in zehn Punkten verabschiedet. Da dieser Text damals vor allem christologische Akzente setzte und kaum auf konkrete politische und gesellschaftliche Herausforderungen einging, wurde das Zeugnis mit der vorliegenden Publikation ergänzt und um Praxisbeispiele angereichert. Hierbei wurden zahlreiche Friedensinitiativen vorgestellt, an denen Quäker mitarbeiten oder die sogar von Quäkern mitbegründet wurden. Im Anhang sind die wichtigsten Texte zum Thema Frieden seitens der Mennoniten zusammengestellt – eine wahre Fundgrube, die wir Jakob Fehr, Volker Haury, Wolfgang Krauß und Jürgen Moser verdanken. Darunter befindet sich auch ein Brief an Thomas Müntzer von Konrad Grebel und anderen Täufern. In diesem Dokument aus dem Jahre 1524 wird sich klar gegen das Töten ausgesprochen – es dürfte eine der frühesten Stimmen aus dem deutschen Sprachraum zum Pazifismus überhaupt sein (S. 38): „Man soll das Evangelium und seine Anhänger nicht mit dem Schwert schirmen und die Christen sollen es auch selbst nicht tun (…). Rechte gläubige Christen sind wie Schafe mitten unter den Wölfen, Schafe zum Schlachten, müssen in Angst und Not, Trübsal, Verfolgung, Leiden und Sterben getauft werden, sich im Feuer bewähren und das Vaterland der ewigen Ruhe nicht durch Erwürgen leiblicher Feinde erlangen, sondern durch Tötung der geistlichen. Auch gebrauchen sie weder Schwert noch Krieg. Denn bei ihnen ist das Töten ganz abgeschafft – es sei denn, wir gehörten noch dem Gesetz an. Aber auch dort (im Alten Testament) ist, wenn wir es recht überlegen, der Krieg, nachdem sie das gelobte Land erobert hatten, nur eine Plage gewesen“.

Verband deutscher Mennonitengemeinden (Hrsg.): Unser Friedenszeugnis. Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende, Karlsruhe 2011.

Interviews zur Wende 1989: Hans-Ulrich Tschirner, Matthias Schwerendt sowie Bill und Anne Beittel

John Feffer ist ein US-amerikanischer Journalist und Autor, der vielen Berliner Quäkern persönlich bekannt ist. Dank eines Stipendiums konnte er 2012/13 mit vielen Personen ausführliche Interviews führen, mit denen er bereits 1990 als damaliger Mitarbeiter des American Friends Service Committee (AFSC) gesprochen hatte. Es waren unterschiedliche Personen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund, Ausbildung, Einkommen; und nun, nach über zwanzig Jahren, sind die erneuten Interviews eine Gelegenheit, über die „Wende“ oder „Friedliche Revolution“ des Jahres 1989 nachzudenken.

Ein Brief von George Fox an die Bürger der Stadt Hamburg (1679)

                            Hamburg in der zweiten Hälfte des 17. Jhdts., source wikimedia

1679 war die Hansestadt Hamburg von Bürgerunruhen betroffen, an denen orthodoxe Geistliche mit zum Teil widersprechenden Interessen beteiligt waren. Mitten in diese Unruhen hinein erreicht die Bürger auch noch ein „Warnbrief“ des Quäkers George Fox. Dieser Brief hat den Titel „Eine Warnung an die Obrigkeit, Prediger und das Volck der Statt Hamburg. Auf daß sie nicht hoffärtig seyn, sondern sich für (vor, C.B.) dem Herrn demütigen mögen“.
Die Entstehungsgeschichte ist kompliziert; ich habe sie 2002/2003 zusammen mit Annette Fricke (Lünen) zu rekonstruieren versucht. Der daraus entstandene Fachbeitrag konnte dann einige Jahre später in der „Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte“ erscheinen (Band 58, Heft 1, 2006, S. 62-66.

Interessierte können ihn hier lesen.

Gesucht: Nicolai Scheiermann

Bislang ist die Autobiografie des Schriftstellers Nicolai Scheiermann nicht veröffentlicht. Sie trägt den Titel "Lebenserinnerungen eines Wanderers" und reicht bis zum Jahre 1944, samt zweier Beilagen: (1) Mein geistiges Werden, (2) Über den Karlshof (betrifft etwa die folgenden Jahre 1949-53).
Da Scheiermann in Kontakt mit Quäkern stand, geben die Erinnerungen auch neue Einblicke in das Quäkertum in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beispielsweise erwähnt Otto Buchinger, Lebensreformer, Fastenmediziner und Quäker, Scheiermann in seinem Buch „Vom Marinearzt zum Fastenarzt“ - auch hat Buchinger zu Scheiermanns „Vision des neuen lebendigen Lebens“ das Geleitwort beigesteuert. 

Die 380 SM-Seiten sollen von dem Historiker Christoph Knüppel und mir der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Da das Manuskript nicht ganz vollständig ist und wir noch weitere Informationen zu Nicolai Scheiermann suchen, bitten wir diejenigen, denen diese Person und sein Leben bekannt ist, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Quäker im Film: Sieben Psychos

Quäker in Western-filmen sind ein alter Hut, aber dass auch neuere Filme Quäker darstellen, ist hierzulande weniger bekannt. Einer der aktuelleren Filme, in denen sogar ein Quäker die Hautrolle spielt, heißt „Sieben Psychos“. Dem Titel entsprechend handelt es sich tatsächlich um einen Psychofilm, der nichts für schwache Nerven ist. Wer trashige Komödien im Stil von Martin McDonagh liebt, kommt bei „Sieben Psychos“ voll auf seine Kosten.

"No pain no gain" oder „Ohne Kreuz keine Krone“: dritte Auflage in Vorbereitung


„Ohne Kreuz keine Krone“ ist vielleicht das bekannteste und erfolgreichste Buch von William Penn. Es wurde nicht nur von Quäkern über Jahrhunderte gerne gelesen, sondern auch von vielen Christen anderer Konfessionen. Lange Zeit stand keine deutsche Übersetzung zur Verfügung, bis Olaf Radicke und Claus Bernet eine Studienausgabe gestaltet haben. Nützlich sind vor allem das umfangreiche Register und die Bibelverweise zu den einzelnen Kapiteln.

Das Buch geht nun seiner dritten Auflage entgegen. Ich habe an dem Text und dem Apparat keine Fehler mehr entdeckt, falls aber jemand noch konstruktive Anregungen oder Tipps hat, kann er sich dazu gerne an Herrn Radicke (München) wenden, der die Hauptarbeit an diesem Projekt leistet: briefkasten@olaf-radicke.de

Das „Journal“ (spirituelle Tagebuch) von George Fox, das Buch „Früchte der Einsamkeit“ von William Penn und das Tagebuch von John Woolman waren (und sind) nicht nur im Quäkertum äußerst beliebt, sondern zählen sogar zur Weltliteratur. Sie wurden vielfach aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt. Unmittelbar danach, gewissermaßen auf dem undankbaren vierten Platz, folgt schon „Ohne Kreuz keine Krone“.
Ich will im Folgenden der Frage nachgehen, wer diese Schrift aus welchen Gründen übersetzt hat, und anschließend davon berichten, wie „Ohne Kreuz keine Krone“ aufgenommen wurde. Mit großer Sicherheit ist Ludwig Seebohm Übersetzer der Fassung von 1825 (1). Die deutschen Quäker haben diesem Ludwig Seebohm viel zu verdanken. Seebohm ist gewissermaßen eine kleine Ausgabe des großen Penn. Es gibt unzählige Gemeinsamkeiten: Beide waren Kolonisten (Penn gründete einen Staat, Seebohm eine Kolonie), beide waren überzeugte Quäker, beide hielten Mission als Grundvoraussetzung für das Überleben der Gesellschaft, beide haben vielerlei Schriften und Traktate für das Quäkertum verfasst, und beide waren auch leidenschaftliche Prediger.