Sonntag, 29. Juni 2014

Daily Inspiration/Alltagsinspiration


Quäker-Kon-Tiki: ein ungewöhnliches Reise-Projekt

Freunde des historischen Reenactment kommen hier voll auf Ihre Kosten:

Horst Schiffer, ein engagierter Hobby-Historiker, möchte das Schiff nachbauen, mit dem einst Quäker und Mennoniten aus Deutschland nach Amerika auswanderten. Es war 1683: damals verließen 13 Familien aus Krefeld ihre Heimat. Die Emigranten flohen vor religiöser Verfolgung und suchten Rettung im Quäker-Staat Pennsylvania, wo William Penn und Franz Daniel Pastorius die deutschen Flüchtlinge unterstützten.

                    Source: wikimedia


„Vermutlich starteten sie ihre Reise in Uerdingen, folgten dem Rhein bis Rotterdam und fuhren rüber nach England“, vermutet Horst Schiffer. Dann segelten sie über sechs Wochen auf dem Schiff „Concord“. Es war eine Galeone von etwa 40 Metern. 57 Passagiere und 40 Matrosen lebten hier über Wochen dicht gedrängt zusammen. Am 6. Oktober 1683 legte das Schiff in Philadelphia am Delaware-Fluß an. Die 13 Familien, die auch die „Original 13“ genannt werden, bauten in Amerika die Siedlung „Germantown“ mit auf - heute einer der besseren Stadtteile von Philadelphia.

Schiffer möchte nun diese Galeone nachbauen und mit in See stechen. Das soll im Jahre 2016 sein, wenn sich das historische Ereignis zum 333. Male jährt.

Es sind noch Plätze frei.


Veranstaltungshinweis: Quäker und Bahá’í (18.07.2014)

Quäker und Bahá’í haben vieles gemeinsam, und viele Jahre war ein führender Bahá’í regelmäßig bei den Berliner Quäkern zu Gast. Vom 17. bis 20. Juni wird jetzt das 12. deutschdsprachige Irfán-Forum im Tambach-Seminar-Center im fränkischen Tambach-Dietharz abgehalten. 

Am Freitag, 18.07.2014, hält Tobias Vetter um 9:15 folgenden Vortrag:

Quäker und Bahá’í: Eine vergleichende religionssoziologische Studie. 

(mit anschließender Diskussion). Hier mehr dazu.

Heaven can wait? Warten – eine zentrales Wesensmerkmal des Christentums

Ben Pink Dandelion, einen ehemaligen britischen Punk und heute international angesehener Quäkerforscher, habe ich vor über zehn Jahren erstmals in den USA getroffen. Später habe ich in Woodbrooke (England) mehrere Kurse bei Ben besucht und bin seitdem mit ihm befreundet. Nun endlich haben auch diejenigen eine Chance, von dem Wissen von Ben Pink Dandelion zu profitieren, die nicht die Chance haben, (relativ teure) Kurse in den USA oder England zu besuchen. Und das in deutscher Sprache!

Es handelt sich um den erster Teil eines Vortrages, der 2013 anlässlich der Jahresversammlung der kanadischen Quäker in Kemptville (Ontario) gehalten wurde. Othmar F. Arnold hat ihn dankenswerter Weise übersetzt. In Auszügen wäre der Vortrag sicher etwas für die deutsche Zeitschrift „Quäker“. 
Das Zentrale am Christentum sei, nach Dandelion, das Warten: Warten auf Christus, Warten auf das Ende der Zeit, Warten auf die zweite Wiederkehr (dazu vor allem „Heaven on Earth: Quakers and the second coming“ von Doug Gwyn). So gebe es eine göttliche Zeit und eine menschliche Zeit. Zwischen beiden gibt es Übergänge und Schnittstellen: zunächst im Tod und Auferstehung von Christus, dann auch in der Erlösung jedes Menschen, der im unmittelbaren Kontakt mit Gott die Aufhebung der menschlichen (irdischen) Zeit erlebe. Neben dieser individuellen Verwandlung gibt es auch eine Transformation der gesamten Schöpfung am Ende aller Zeiten. Auch dann werde die Trennung zwischen Mensch und Gott überwunden sein (Jer. XXXI, 31-34). Einen Vorgeschmack, eine Ahnung oder ein Voraussehen sei bereits heute möglich. Gleichzeitig kommt man jedoch um weiteres Warten nicht umhin, ohne den Glauben zu verlieren, und dies ist, nach Dandelion, eine zentrale Herausforderung des Christentums.

Yotin Tiewtrakul: zu Gast bei den Quäkern in Hamburg

Yotin Tiewtrakul (geb. 1975) ist Musiker und lebt im Ansverus-Haus (Aumühle), einem Exerzitienhaus in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Sein besonderes Interesse sind unterschiedliche Formen der Stille, in christlichen wie nichtchristlichen Religionsgemeinschaften. Von daher lag es nahe, sich auch einmal mit den Quäkern zu beschäftigen, die Stille ja zu einem zentralen Element ihrer Andachtsform gemacht haben. Tiewtrakuls verfasste im Januar 2014 einen kurzen Bericht über seinen Besuch des Quäker-Gottesdienstes in Hamburg-Barmbek, wo die Quäker sich zweimonatlich treffen.

"What does George Fox say?": Video erklärt Quäker-Theologie

Die Quäker sind allgemein weniger in den „sozialen“ Netzwerken präsent, sondern setzten eher auf „reale“ zwischenmenschliche Begegnungen und Beziehungen. Untypisch ist daher der Erfolg eines kurzen Videos, in dem Theologie unkonventionell vor allem jüngeren Zeitgenossen vermittelt wird. Es hat den Titel „What does the Fox say?“ und stammt von dem Mediendesigner und Quäker Ben Guaraldi, in Anlehnung an einen Song des norwegischen Entertainerduos "Ylvis". Die meisten Mitwirkenden und Sänger sind „echte“ Quäker, auch wenn in manchen Passagen sich die Quäker eher als Shaker präsentieren!


Sein Video zeigt erst eine kurze Quäker-Andacht und parodiert dann eine ganze Anzahl von echten und angedichteten Zitaten des Quäkertum-Gründers George Fox aus dem 17. Jahrhundert – in moderner You-tube-Form für das 21. Jahrhundert: „Jesus sagte dies, die Apostel sagten das, aber was kannst du sagen?“ oder „Der Herr wohnt nicht in diesen menschen-gemachten Gebäuden, sondern in unseren Herzen“. So wird dann über die Jahrhunderte die Geschichte der Quäker erzählt – genial.

Maximilian Strnad: Stigma „jüdisch versippt“ – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949

Derzeit werden über Quäker in Deutschland so viele Dissertationen und Habilitationen wie nie zuvor verfasst. Woher dieses neue Interesse herrührt und was man davon erwarten darf, soll an anderer Stelle erörtert werden. Hier möchte ich lediglich an eine neu entstehende Studie mit Quäker-Bezug in München hinweisen, die den Titel „Stigma 'jüdisch versippt' – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949“ trägt. 

Die Studie wird von Maximilian Strnad am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München verfasst, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes, Bonn, und durch das Leo Baeck Fellowship Programme for PhD Candidates.
Sie ist weniger an institutionellen Fragen ausgerichtet oder an den andernorts bereits beschriebenen generellen Hilfsmaßnahmen; vielmehr geht es Strnad vor allem um Betreuungsakten und Korrespondenzen mit Betreuten, aus denen sich persönliche Dinge herauslesen lassen, also wie sich die Verfolgung auf das Leben der Betroffenen Frauen, Männern und Kindern auswirkte und wie diese dann darauf reagierten. Neben der Verfolgungszeit geht es in der anspruchsvollen Arbeit insbesondere um die Betreuung der ehemals Rasseverfolgten nichtjüdischen Glaubens nach 1945. Die Quäker haben auch über 1945 hinaus wieder mit dem Büro Grüber und dem Hilfswerk von Margarete Sommer zusammengearbeitet, was bislang kaum erforscht ist.

Montag, 26. Mai 2014

Friedenszeugnis der Mennoniten

Nicht nur die Quäker haben ein Friedenszeugnis, sondern auch die Mennoniten. Wenngleich die Begründungen beider Zeugnisse unterschiedlich sind, so sind die Auswirkungen durchaus vergleichbar. Die deutschen Mennoniten (Verband deutscher Mennonitengemeinden) haben eine aktuelle Publikation herausgebracht, die mit Kommentaren und Arbeitshilfen das Friedenszeugnis umfassend vorstellt. Das Heft hat den Titel: „Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende“. 


Im Vergleich zu dem Jahrhunderte alten Friedenszeugnis der Quäker ist das der Mennoniten jung: es wurde am 4. Juli 1987 von der Ältesten-, Prediger- und Diakonenversammlung in zehn Punkten verabschiedet. Da dieser Text damals vor allem christologische Akzente setzte und kaum auf konkrete politische und gesellschaftliche Herausforderungen einging, wurde das Zeugnis mit der vorliegenden Publikation ergänzt und um Praxisbeispiele angereichert. Hierbei wurden zahlreiche Friedensinitiativen vorgestellt, an denen Quäker mitarbeiten oder die sogar von Quäkern mitbegründet wurden. Im Anhang sind die wichtigsten Texte zum Thema Frieden seitens der Mennoniten zusammengestellt – eine wahre Fundgrube, die wir Jakob Fehr, Volker Haury, Wolfgang Krauß und Jürgen Moser verdanken. Darunter befindet sich auch ein Brief an Thomas Müntzer von Konrad Grebel und anderen Täufern. In diesem Dokument aus dem Jahre 1524 wird sich klar gegen das Töten ausgesprochen – es dürfte eine der frühesten Stimmen aus dem deutschen Sprachraum zum Pazifismus überhaupt sein (S. 38): „Man soll das Evangelium und seine Anhänger nicht mit dem Schwert schirmen und die Christen sollen es auch selbst nicht tun (…). Rechte gläubige Christen sind wie Schafe mitten unter den Wölfen, Schafe zum Schlachten, müssen in Angst und Not, Trübsal, Verfolgung, Leiden und Sterben getauft werden, sich im Feuer bewähren und das Vaterland der ewigen Ruhe nicht durch Erwürgen leiblicher Feinde erlangen, sondern durch Tötung der geistlichen. Auch gebrauchen sie weder Schwert noch Krieg. Denn bei ihnen ist das Töten ganz abgeschafft – es sei denn, wir gehörten noch dem Gesetz an. Aber auch dort (im Alten Testament) ist, wenn wir es recht überlegen, der Krieg, nachdem sie das gelobte Land erobert hatten, nur eine Plage gewesen“.

Verband deutscher Mennonitengemeinden (Hrsg.): Unser Friedenszeugnis. Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende, Karlsruhe 2011.

Interviews zur Wende 1989: Hans-Ulrich Tschirner, Matthias Schwerendt sowie Bill und Anne Beittel

John Feffer ist ein US-amerikanischer Journalist und Autor, der vielen Berliner Quäkern persönlich bekannt ist. Dank eines Stipendiums konnte er 2012/13 mit vielen Personen ausführliche Interviews führen, mit denen er bereits 1990 als damaliger Mitarbeiter des American Friends Service Committee (AFSC) gesprochen hatte. Es waren unterschiedliche Personen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund, Ausbildung, Einkommen; und nun, nach über zwanzig Jahren, sind die erneuten Interviews eine Gelegenheit, über die „Wende“ oder „Friedliche Revolution“ des Jahres 1989 nachzudenken.

Ein Brief von George Fox an die Bürger der Stadt Hamburg (1679)

                            Hamburg in der zweiten Hälfte des 17. Jhdts., source wikimedia

1679 war die Hansestadt Hamburg von Bürgerunruhen betroffen, an denen orthodoxe Geistliche mit zum Teil widersprechenden Interessen beteiligt waren. Mitten in diese Unruhen hinein erreicht die Bürger auch noch ein „Warnbrief“ des Quäkers George Fox. Dieser Brief hat den Titel „Eine Warnung an die Obrigkeit, Prediger und das Volck der Statt Hamburg. Auf daß sie nicht hoffärtig seyn, sondern sich für (vor, C.B.) dem Herrn demütigen mögen“.
Die Entstehungsgeschichte ist kompliziert; ich habe sie 2002/2003 zusammen mit Annette Fricke (Lünen) zu rekonstruieren versucht. Der daraus entstandene Fachbeitrag konnte dann einige Jahre später in der „Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte“ erscheinen (Band 58, Heft 1, 2006, S. 62-66.

Interessierte können ihn hier lesen.

Gesucht: Nicolai Scheiermann

Bislang ist die Autobiografie des Schriftstellers Nicolai Scheiermann nicht veröffentlicht. Sie trägt den Titel "Lebenserinnerungen eines Wanderers" und reicht bis zum Jahre 1944, samt zweier Beilagen: (1) Mein geistiges Werden, (2) Über den Karlshof (betrifft etwa die folgenden Jahre 1949-53).
Da Scheiermann in Kontakt mit Quäkern stand, geben die Erinnerungen auch neue Einblicke in das Quäkertum in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beispielsweise erwähnt Otto Buchinger, Lebensreformer, Fastenmediziner und Quäker, Scheiermann in seinem Buch „Vom Marinearzt zum Fastenarzt“ - auch hat Buchinger zu Scheiermanns „Vision des neuen lebendigen Lebens“ das Geleitwort beigesteuert. 

Die 380 SM-Seiten sollen von dem Historiker Christoph Knüppel und mir der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Da das Manuskript nicht ganz vollständig ist und wir noch weitere Informationen zu Nicolai Scheiermann suchen, bitten wir diejenigen, denen diese Person und sein Leben bekannt ist, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Quäker im Film: Sieben Psychos

Quäker in Western-filmen sind ein alter Hut, aber dass auch neuere Filme Quäker darstellen, ist hierzulande weniger bekannt. Einer der aktuelleren Filme, in denen sogar ein Quäker die Hautrolle spielt, heißt „Sieben Psychos“. Dem Titel entsprechend handelt es sich tatsächlich um einen Psychofilm, der nichts für schwache Nerven ist. Wer trashige Komödien im Stil von Martin McDonagh liebt, kommt bei „Sieben Psychos“ voll auf seine Kosten.

"No pain no gain" oder „Ohne Kreuz keine Krone“: dritte Auflage in Vorbereitung


„Ohne Kreuz keine Krone“ ist vielleicht das bekannteste und erfolgreichste Buch von William Penn. Es wurde nicht nur von Quäkern über Jahrhunderte gerne gelesen, sondern auch von vielen Christen anderer Konfessionen. Lange Zeit stand keine deutsche Übersetzung zur Verfügung, bis Olaf Radicke und Claus Bernet eine Studienausgabe gestaltet haben. Nützlich sind vor allem das umfangreiche Register und die Bibelverweise zu den einzelnen Kapiteln.

Das Buch geht nun seiner dritten Auflage entgegen. Ich habe an dem Text und dem Apparat keine Fehler mehr entdeckt, falls aber jemand noch konstruktive Anregungen oder Tipps hat, kann er sich dazu gerne an Herrn Radicke (München) wenden, der die Hauptarbeit an diesem Projekt leistet: briefkasten@olaf-radicke.de

Das „Journal“ (spirituelle Tagebuch) von George Fox, das Buch „Früchte der Einsamkeit“ von William Penn und das Tagebuch von John Woolman waren (und sind) nicht nur im Quäkertum äußerst beliebt, sondern zählen sogar zur Weltliteratur. Sie wurden vielfach aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt. Unmittelbar danach, gewissermaßen auf dem undankbaren vierten Platz, folgt schon „Ohne Kreuz keine Krone“.
Ich will im Folgenden der Frage nachgehen, wer diese Schrift aus welchen Gründen übersetzt hat, und anschließend davon berichten, wie „Ohne Kreuz keine Krone“ aufgenommen wurde. Mit großer Sicherheit ist Ludwig Seebohm Übersetzer der Fassung von 1825 (1). Die deutschen Quäker haben diesem Ludwig Seebohm viel zu verdanken. Seebohm ist gewissermaßen eine kleine Ausgabe des großen Penn. Es gibt unzählige Gemeinsamkeiten: Beide waren Kolonisten (Penn gründete einen Staat, Seebohm eine Kolonie), beide waren überzeugte Quäker, beide hielten Mission als Grundvoraussetzung für das Überleben der Gesellschaft, beide haben vielerlei Schriften und Traktate für das Quäkertum verfasst, und beide waren auch leidenschaftliche Prediger.

Evangelikales Quäkertum: Hannah Whitall Smith (1832-1911)

 source: wikimedia

Nur wenigen ist bekannt, dass Hannah Whitall Smith, eine bedeutende Galionsfigur des evangelikalen Christentums in den USA, auch eine Quäkerin gewesen ist. 1832 wurde sie als Tochter von John Mickle Whitall und Mary Tatum Whitall in einer Quäkerfamilie in Philadelphia geboren, deren Vorfahren mit William Penn nach Amerika gekommen waren. Ihre Erziehung nach den damaligen Quäkergrundsätzen war streng und rigide, eröffnete ihr aber auch den Blick nach Innen. Allerdings glaubte man, dass es bereits genüge, als Quäker geboren zu sein, um zu den Wiedergeborenen zu gehören. Außer der Lehre von dem Inneren Licht lernte Smith in ihrer Kindheit keine religiösen Lehren kennen, da diese bei manchen Quäkern damals für überflüssig erachtet wurden.
Am 5. November 1851 heiratete sie den Quäker Robert Pearsall Smith (1827-1898) und zog mit ihm nach Germantown. Später, von 1864 bis 1868, lebten Hannah und Robert Smith in Millville, New Jersey, wo Robert eine Glasfabrik des Vaters von Hannah leitete. Erst 1858 verließ sie mit ihrer Familie die Quäker, da diese ihre Bekehrung zum Christentum nicht anerkennen wollten. Denn in den Jahren zuvor war das Ehepaar Smith immer stärker mit der methodistisch geprägte Heiligungsbewegung in Kontakt gekommen. Diese Bewegung ist zwar selbst eine der Wurzeln des evangelikalen Quäkertums von Indiana und der Westküste, wurde aber von den konservativen Quäkern des Ostens strikt abgelehnt.

Michael G. Long (Herausgeber): Christian peace and nonviolence


Bücher über Frieden, Gewaltlosigkeit und Pazifismus gibt es zahlreiche. Was bislang fehlte, ist ein Reader der zentralen historischen Texte dieses Themenbereiches. Mit dem Band „Christian Peace and Nonviolence“ steht jedem Interessierten jetzt die Möglichkeit offen, sich schnell und kompetent zu informieren. Es ist klar, dass in einem solchen Band die Quäker nicht fehlen dürfen, dass aber in „Christian Peace and Nonviolence“ gleich sieben Quäkertexte aufgenommen wurden, darf man als positive Überraschung nehmen. Folgende Texte gelten also im angloamerikanischen Raum als die zentralen Quäker-Friedensdokumente:

-Gerrard Winstanley: The True Levellers Standard

-George Fox: Paper to Friends to Keep Out of Wars and Fights

-Robert Barclay: Epistle of Love and Friedly Advice

-William Penn: An essay towards the Present and Future Peace of Europe

-John Woolman: Journal of John Woolman

-Lucretia Mott: The Subject of Peace is Taking Hold

-Else Boulding: The Re-creation of Relationship, Interpersonal and Global

Sonntag, 27. April 2014

Der Frankfurter Saalhof – besucht von William Penn

Der Saalhof war eine ehemalige Reichsburg der Staufer in der Frankfurter Altstadt nahe des Mainufers. 1604 bis 1610 wurde der Nordbau, der „vordere Bau“, für 13.000 Gulden errichtet. Bis 1697 war dieser ein kaiserliches Lehen. 1677, zu der Zeit, als die Quäker in Frankfurt auftauchten, hatte der Saal seine besten Jahre hinter sich und wurde von Patriziern als Wohnung und Lagerhalle genutzt.
Im diesem Saalhof trafen sich um diese Zeit regelmäßig einige Pietisten. Darunter befanden sich der Jurist Johann Schütz, die Studenten Otto Richardi, Johann Adolf Rhein und Johann Dieffenbach, der Literat Christian Fende und vermutlich auch der Arzt Dr. Johann Kißner. Ebenfalls dazu gehörten auch Johanna E. von Merlau und die verwitwete Maria Juliana Baur von Eyseneck. Letztere wohnte im Saalhof und hielt dort Räumlichkeiten für die Treffen bereit. Nach ihrem Versammlungsort wurden sie „Saalhofpietisten“ genannt, und, offensichtlich seit Anfang 1677 (also noch vor dem Eintreffen von William Penn) als „Quäcker“. Seit Advent 1676 hatten sich im Saalhof jeden Sonntagabend etwa zehn Personen getroffen. Die Gruppe selbst hat jedoch weder den Namen Saalhofpietisten noch den der Quäker verwendet. Es handelte sich bei der Gruppe keineswegs um einen Zusammenschluss einfacher Frankfurter, sondern um einen elitären Kreis aus dem Patriziertum und dem niederen Adel, der die Zeit für stundenlange Treffen hatte. Nur wer als wirklich fromm und gläubig galt, war hier willkommen. In ihrer Lebensweise und in ihren Glaubensansichten ergaben sich erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem damaligen Quäkertum in England des 17. Jahrhunderts. In dem Kreis hatte die Gemeinschaft eine hohe Bedeutung, gegenseitiges Helfen, Ermahnung und Erbauung wurden ernst genommen, vielleicht etwas zu ernst. Laien und Frauen konnten hier die Bibel lesen und sich über ihre Glaubenserfahrungen austauschen. Besondere Bedeutung hatte die Lehre vom inneren Licht und vom Perfektionismus. Ab 1682 nahm dieser Kreis nicht länger an den Gottesdiensten der lutherischen Amtskirche teil, wurde aber auch keine feste Institution, sondern verschwand sang- und klanglos im Nirgendwo.
Am 18. August 1677 waren William Penn, George Keith und Benjamin Furly in Frankfurt eingetroffen. Sie hatten zuvor Herford, Paderborn und Kassel bereist. 





William Penns Deutschlandtour 1677.
Rot: erste Rundreise Juli bis September. Blau: zweite Rundreise September bis Oktober.

September 2014: Tagung „Radikale Reformatoren“

Gefreut habe ich mich, als sich nach langer Zeit Wolfgang Krauß von den Mennoniten wieder bei mir meldete mit der Bitte, einen Vortrag über Mikrogeschichte und Quäkertum in der Frühen Neuzeit zu halten. Dieser soll den besonderen Aspekt der ersten Quäker in Kriegsheim, Worms und Heidelberg um die Mitte des 17. Jahrhunderts berücksichtigen. Der Rahmen ist die Fachtagung „Radikale Reformatoren“ und wird vom 26. bis 28. September 2014 in Worms stattfinden. 

Titelblatt der Wormser Prophetenübersetzung (1528) wikimedia

Das Programm verspricht neue Impulse und Anregungen für diejenigen, die sich für freikirchliche Richtungen neben den großen Konfessionen, vor allem in der Frühen Neuzeit, interessieren: Unter anderem wird Alejandro Zorzin über die Wormser Propheten (1527/28) berichten, die vor allem nach der Niederlage der Bauernbewegung unter Verfolgung eigene eschatologische Erwartungen entwarfen und diese über den Drucker Schöffer verbreiteten.


Astrid von Schlachta wird die akademische Debattenkultur als Kommunikationsmittel der Reformation bzw. asymmetrische Kommunikation näher erläutern, vor allem anhand einer Gegenüberstellung von Lutheranern und Taufgesinnten im Pfeddersheimer Religionsgespräch.

Durch die Tagung werden Volker Gallé und Wolfgang Krauß führen.

Saragossa

Entdeckt in Saragossa, Ecke Calle Conde Aranda / Av. César Augusto:


Tracy Chevalier: „Die englische Freundin: Roman“

Immer wieder erscheinen Quäkerromane, bzw. Romane, in denen Quäker eine bedeutende Rolle spielen. Schon im 19. Jahrhundert wurden gerne Quäkerfiguren auf die Theaterbühnen gebracht, und Quäker im Wilden Westen sind ein ganz eigenes Thema. Eines der neueren Fantasiewerke hat den Titel „Die englische Freundin: Roman“ und wurde von der amerikanischen Schriftstellerin Tracy Chevalier (geb. 1962) verfasst, die heute in London lebt, also dem einstigen Weltzentrum des Sklavenhandels. Die deutsche Erstauflage erschien im 2013 im Knaus-Verlag (ISBN: 3-8135-0595-2), Preis: 15.99 €
Die Handlung ist schnell wiedergegeben: Honor, die Heldin des Romanes, ist eine verliebte Quäkerin, die aus Kummer und Enttäuschung über ihren Verlobten von England nach Amerika auswandert. Dort kommt sie auf Plantagen mit Sklaven und Skalvenhaltern in Berührung, was der bislang etwas weltfremden Romanheldin gar nicht gefällt. Zunehmend beschäftigt sie sich mit dem Problem des Abolitionismus (vor allem in der Mitte des Buches).

Michael Blume: „Politikferne Staatsgründer - Die Quäker und Pennsylvania“

Der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume ist einer der Online-Autoren, der hin- und wieder etwas zum Quäkertum beiträgt, so zuletzt im Februar und März 2014. Die zweiteilige Serie hat den Titel „Sie zitterten nur vor Gott – Die Quäker“ bzw. „Politikferne Staatsgründer - Die Quäker und Pennsylvania“. Der Text ist ein Auszug aus dem Sciebook "Baptisten, Quäker, Unitarier", erhältlich als eBook und als Taschenbuch. Ich empfehle es hier gerne. Teil eins gibt Lesern, denen die Quäker noch unbekannt sind, eine allgemeine Übersicht über Glaube und Geschichte. Der darauf aufbauende zweite Teil fokussiert sich dann auf William Penn, den Gründer der Kolonie und des späteren Bundesstaates Pennsylvania.

Mehr zu den amerikanischen Quäkern in deutscher Sprache: Blumes Buch 
"Baptisten, Quäker, Unitarier"


Sarah Lentz: ein Forschungsprojekt zu Quäker und Abolitionismus

Zweifelsohne war und ist der Kampf gegen die Sklaverei eines der großen Quäkerthemen, man denke nur an Persönlichkeiten wie Benjamin Lay, John Woolman oder Laura S. Haviland. Auch in jüngster Zeit haben sich Quäker immer wieder an Initiativen beteiligt, die gegen neue Formen der Ausbeute oder des Menschenhandels gerichtet sind.
Nun ist die Bremer Historikern Sarah Lentz Anfang dieses Jahres mich herangetreten mit der Bitte um einen Austausch zu diesem Thema. Eine solche Studie ist nicht nur für die USA oder England von Interesse, sondern ermöglicht auch neue Aufschlüsse zu den Quäkergemeinden in Bad Pyrmont/Friedensthal, Herford, Hille und Minden.
Die Forderung des Abolitionismus wurde von ausländischen Quäkern im 19. Jahrhundert durchaus an verschiedene deutsche Höfe gebracht, aber weit hinter der Gefängnisreform. In den zahlreichen Journals kann man dazu Hinweise herausdestillieren. Erfolgsversprechend scheint zu sein, sich die Journals/Tagebücher aller englischen und amerikanischen Quäker durchzusehen, die Deutschland bereist hatten. Schon ab den 1820er Jahren gab es Versuche von Seiten der Quäker, im deutschsprachigen Raum für den Widerstand gegen den immer noch fortwährenden Sklavenhandel und die Sklaverei allgemein zu werben (z.B. durch Josiah Forsters „Ansprache an die Bewohner Europas über die Verwerflichkeit des Sklavenhandels“ von 1822 oder durch William Forsters „An die Souveraine und Obrigkeiten der Nationen Europas und anderer Welttheile“ von 1849).

Hanna Jordan verstorben (1921-2014)

Am 26. Januar diesen Jahres (2014) ist Hanna Jordan verstorben. Viele deutsche Quäker haben diese bewundernswerte Persönlichkeit gekannt und geschätzt - so ist es verständlich, dass Quäker und Freunde der Freunde mit Trauer, aber auch mit Achtung vor ihrem Leben auf die Nachricht reagierten.
Fast jeder hat persönliche Erinnerungen an Hanna Jordan, die sich auf zahlreichen Quäkertreffen einbrachte und ihre Wohnung in Wuppertal zu einem lebendigen Ort der Begegnung machte. „Minizentrum“ wurde es genannt.

Stephen Crisp (1628-1692): Der Autor von „ Short History of a Long Travel from Babylon to Bethel“

Stephen Crisp war der Sohn des gleichnamigen Kleidungshändlers Stephen Crisp und seiner Frau Elizabeth (Crisp), die von Holland aus nach England eingewandert waren. Dem Sohn wurde eine gute schulische Ausbildung in Colchester ermöglicht, so dass er in der Lage war, Latein zu lesen und zu schreiben. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Geschäftsmann im Textilgewerbe. 1648 heiratete er Dorothy (Familienname unbekannt) und gründete einen Haushalt in Colchester. Bis 1648 hielt Crisp sich zu einer Separatistengruppe, anschließend zu den Baptisten, bei denen er auch als Lehrer tätig wurde. Nachdem der Quäkermissionar James Parnel (um 1637-1656) in der Stadt gepredigt hatte, schloss sich die Familie Crisp 1655 der Quäkerbewegung an.

Sonntag, 6. April 2014

Die Herforder Abtei

Im 17. Jahrhundert war Herford eine wichtige Anlaufstelle im Netzwerk sowohl der Quäker als auch der Pietisten. Hierher hatte sich die Pfalzgräfin Elisabeth zurückgezogen, eine Tochter von Friedrich V., dem Winterkönig, und Elisabeth Stuart, einer Tochter von König Jakob I. von England. William Penn und weitere Quäker – meist adeliger Abstammung – besuchten erstmals im Jahre 1671 Herford. Sechs Jahre später kam es nochmals ab dem 9. Juni 1677 und ein letztes Mal auf der Rückreise Ende Juli des gleichen Jahres einen Besuch in Herford. Die Besuche sind oft geschildert worden, tlw. etwas farbenreich, und waren v.a. ein Schwerpunkt der Kirchen- und Religionsforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
In Herford übernachteten William Penn und der Quäker-Theologe Robert Barclay im Gasthaus „Zur Krone“, das am Alten Markt lag und 1594 erbaut worden war (vermutlich Alter Markt Nr. 4). Die Quäkerversammlungen fanden damals in der Abtei statt, die gegenüber der Stiftskirche lag, wozu Elisabeth auch Bedienstete und Einwohner Herfords einlud – freilich nur ausgewählte Personen, die keinen Ärger zu machen versprachen.

         Fundamente des ehemaligen Wohntrakts der Abtei, in der sich auch William Penn bei seinem Besuch aufhielt.

Bei seinem Besuch hat Penn einen ausführlichen Bericht über seine einstmalige „Bekehrung“ zum christlichen Glauben (in der Form des Quäkertums) vorgetragen. Trotz mühevollen Suchens vieler Wissenschaftler ist dieser Bericht, der damals handschriftlich aufgezeichnet worden ist, nie aufgefunden worden.

Manfred Henke: „Wir haben nicht einen Bettler unter uns“

Dissertationen zu Quäkern und Quäkertum an deutschen Hochschulen sind nicht ganz so selten, wie man zunächst glauben mag; ich kenne circa 20 Arbeiten, die seit circa 1880 in Deutschland entstanden sind. Die neueste Arbeit verfasste Manfred Henke, unter dem Titel „Wir haben nicht einen Bettler unter uns: Studien zur Sozialgeschichte der frühen Quäkerbewegung“. 


Es handelt sich um eine anspruchsvolle soziale Analyse der ersten frühen Quäker des 17. Jahrhunderts, mit einem regionalen Schwerpunkt auf Cumberland und Westmorland (wo die Quäker traditionell sehr stark vertreten waren). Gleichzeitig wird Armut und Reichtum dieser ersten Quäkergeneration untersucht. Grundlage der Sozialanalyse ist ein breites statistisches Quellenmaterial (Herdsteuern), das von Henke in Karten anschaulich übertragen wurde.

Die Dissertation wurde unter Professor Volker Seresse und Professor Hartmut Lehmann, einem ausgewiesenen Pietismus- und Freikirchen-Experten, eingereicht. Der große Vorteil dieser Arbeit ist, dass sie bereits im Netz frei zugänglich ist:



Gleichzeitig hat mich der Verfasser darauf hingewiesen, dass „Wir haben nicht einen Bettler unter uns“ im etablierten be.bra-Verlag demnächst auch im Druck erscheinen wird:

Dr. Manfred Henke

„Wir haben nicht einen Bettler unter uns“

Studien zur Sozialgeschichte der frühen Quäkerbewegung

ca. 320 Seiten, 15 Abb., Paperback

ISBN 978-3-95410-027-9

erscheint April 2014

26,00 €


Was mich besonders gefreut hat, ist, dass Henke ebenfalls wie ich das Woodbrooke-College in Birmingham besucht hat. Henke ist jedoch nicht Quäker geworden, sondern hat seine religiöse Heimat bei der Neuapostolischen Kirche gefunden. Mit diesem Hintergrund ist seine Studie zum Quäkertum doch ein Novum an einer deutschen Universität und belegt, wie konfessionsübergreifend inzwischen gearbeitet werden kann.

Austritte und Ausschlüsse aus deutschen Quäkergemeinden im 19. Jahrhundert: Forschungsstand und Ausblicke

1838 schrieben die Mindener Quäker die örtliche preußische Regierung an, um ihr den Ablauf ihrer Hochzeit zu erklären und deren staatliche Anerkennung voranzutreiben. Hauptpunkt war die Abwesenheit eines Geistlichen, ansonsten war der Verlauf wenig spektakulär, so dass selbst die Quäker über sich schreiben konnten: „They do it in the same way as in other Christian communities“. In Wirklichkeit waren aber Hochzeit und Ehe ein Punkt mit vielen Besonderheiten, um die innerhalb der deutschen Quäkergemeinde im 19. Jahrhundert häufig gestritten wurde und nicht selten das Eingreifen der Engländer zur Folge hatte.

Ergänzungen zum Rest-Home - Dank an Thomas Nauerth

Im Januar diesen Jahres schrieb mir Dr. Thomas Nauerth: „mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag "Neues zum „Rest-Home“: Hilfe für Opfer der NS-Diktatur 1933-1939 in Deutschland" gelesen“ und berichtete mir von einem neuen Fund, der auch meine Forschungen zum Rest-Home wieder um ein kleines Mosaiksteinchen ergänzt. Es handelt sich um die biographischen Erinnerungen von Kurt Keiderling, die von Thomas Nauerth derzeit bearbeitet werden und, so Gott will, hoffentlich bald der Wissenschaft und dem interessiertem Publikum vorliegen werden. Keiderling war als Leitungsmitglied des Rhönbruderhofes im April 1937 verhaftet worden und wurde nach zwei Monaten entlassen. Dabei bekam er die Adresse von einem "Hotel in Königsstein im Taunus" übermittelt, wobei es sich um das Rest-Home der Quäker handelte.

Rest-Home-Erinnerungen von K. Keiderling
So kennen wir nun auch zwei neue Kontaktpersonen, die Aufenthalte in das Rest Home vermittelten, nämlich den Rechtsanwalt Eisenberg und den holländischen Vermittler Geel von Gildemeester. Beide hatten Kontakte zu den deutschen Quäkern und zu der Bruderhofbewegung. Es ist erwiesen, dass internationale Besucher noch 1935 den Bruderhof besucht haben: „So war zum Beispiel im Sommer 1935 (...), auch der Quäker Jack Hoyland mit zehn bis zwölf jungen Männern (anwesend), um das Gemeindeleben kennenzulernen“. Mitglieder der Bruderhof-Bewegung richteten zu dieser Zeit auch einen Hilferuf an MacMaster, einen US-amerikanischen Quäker. Dieser arbeitete seit April 1933 in Berlin im Internationalen Quäkerrbüro. Ausländer aus den USA waren hier besonders wichtig, da sie das begehrte „Affidavit“, eine Art finanzielle und moralische Unbedenklichkeitsbescheinigung, die zur Ausreise nach Amerika notwendig war, vermitteln konnten.

Mittwoch, 2. April 2014

Herbert Friedrich Witzel: Buch über die Quäker in Berlin

Das Quäkertum durchzieht das Leben von Herbert Friedrich Witzel wie ein roter Faden. Unter anderem hat er auf einem pazifistischen Brüderhof in England gelebt und war um 2002/03 immer wieder zu Gast in der Planckstrasse. Zu dieser Zeit hatte ich auch einmal für Witzel das Quäkertum bei einer Berliner Baptistengemeinde vorgestellt.
Beeindruckende Spiritualität: Herbert Friedrich Witzel 
Nach längeren Vorüberlegungen hat der Schriftsteller Witzel sich nun entschlossen, ein kleines Buch über die Quäker in Berlin zu schreiben – so etwas gibt es tatsächlich noch nicht. Den letzten Ausschlag gab das irische Volkslied „Merrily kiss the Quaker's wife“, welches die Harfensitin Nadia Birkenstock im September diesen Jahres in Berlin präsentieren wird (eigene Ankündigung folgt) – eine Veranstaltung, die von Witzel organisiert wird.

Da ich das Vorhaben von Herrn unterstützen möchte und beratend zur Seite stehe, hatten wir bereits ein erstes Treffen mit Überlegungen, Ideen, Inspirationen. Dabei fragte ich nach den zentralen Berührungspunkten zu den Quäkern in seinem Leben. Witzel zog ein kleines Büchlein hervor und sprach über das Gedicht „Das Ewige ist still“ von Wilhelm Raabe, der wie Witzel aus Braunschweig stammt. Zentral (für Quäker) ist die dritte Strophe: 
„Das Ewige ist stille
laut die Vergänglichkeit;
schweigend geht Gottes Wille
über den Erdenstreit“.

Dieser Spruch hing nun während der Zeit des Nationalsozialismus im Flur des Berliner Quäkerbüros. Viele Verfolgte, Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten haben diese Zeilen gelesen und sich ihre Gedanken dazu gemacht. Ob es nun „Zufall“ ist oder nicht: genau diese Zeilen wurden wenige Tage, bevor ich Witzel zu Gast hatte, in der Sonntagsandacht der Berliner Quäker ausgesprochen.


Herbert Friedrich Witzel:

-1949 in Braunschweig geboren, zog 1971 nach Berlin, wohnt seit 2013 in Neukölln. Nach dem Studium der Germanistik und Pädagogik und ersten schriftstellerischen Arbeiten in den 1970er Jahren folgte eine 15 Jahre lange schöpferische Pause. 
-Seit 1989 im kaufmännischen Bereich tätig
-Seit 2006 Mitarbeiter beim "Berliner Büchertisch e.V."
-Seit 1995 schreibt Herbert-Friedrich WiTzel wieder, nach Buchveröffentlichungen jetzt auch für den "BrückenBauer Friedrichshain-Kreuzberg interkulturell" und für den "Neuköllner Dschungel - Zeitschrift für Kiez und Kultur". 
-Seit 2012 verstärkte Konzentration auf eBooks. 
-Seit 2013 gibt es "WiTzels Lied- und Lesebühne" nach dem Motto: "Alles wirkliche Leben ist Begegnung"(Martin Buber).

Maria Thum-von Heyl: Öffentlicher Vortrag zu Elizabeth Fry in Köln

Maria Thum-von Heyl wird am 8. April, um 15:30, in Köln über die Quäkerin Elizabeth Fry sprechen, im Rahmen des Frauenclubs "Lyceum Club Köln". Der Ort ist die Residenz am Dom, An den Dominikanern 6-8, 506608 Köln. Thum-von Heyl hat selbst mütterlicherseits familiäre Wurzeln, die bis zu Elizabeth Fry reichen. Ich hatte die Referentin zuletzt im September 2012 persönlich gesprochen, und möchte Ihren Vortrag wärmstens empfehlen. Gleichzeitig ist es für mich ein willkommener Anlass, noch einmal Leben und Wirken von Elizabeth Fry in Erinnerung zu rufen:

Wikimedia
Die spätere Reformerin kam als Elizabeth Gurney am 21. Mai 1780 in Gurney Court in Norwich zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte „Betsy“ im nahegelegenen Earlham Hall, dem Anwesen der Familie. Ihr Vater, der Quäker Joseph Gurney (1749-1809), war ein erfolgreicher Kaufmann, Schlossbesitzer und Bankier, ihre Mutter Catherine stammte aus der Barclay-Familie, die ebenfalls im Bankwesen operierte. Da sie früh verstarb, war Elizabeth, das vierte von elf Kindern, bereits mit 12 Jahren für ihre jüngeren Geschwister verantwortlich, insbesondere für Hannah Gurney (gest. 1872) und Joseph John Gurney (1788-1847).

Montag, 31. März 2014

Freikirchen-Tagung in Elstal: Jalka referierte über "Quäker und Moderne" (März 2014)

Schon seit langem war es mir ein Anliegen, Jalka, eine Quäkerin und Friedenspädagogin aus Wien, einmal zu einem Vortrag zu den Treffen des Vereins für Freikirchenforschung einzuladen. Hier haben wissenschaftliche Vorträge genauso ihren Platz wie Beiträge aus Praxisfeldern. Dieses Jahr im Frühjahr hat es endlich einmal geklappt, vor allem, weil das Tagungsthema geeignet war: Friedensthelologie und Friedensengagement ist ein Thema, bei dem die historischen Friedenskirchen natürlich einen Beitrag liefern können, und das sind, neben den Mennoniten, in Deutschland die Quäker. Die Freikirchen haben hier zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche theologische Schwerpunkte gesetzt und damit auf die drängenden Konflikte ihrer Zeit reagiert. Einige dieser Ansätze und ihre praktischen Auswirkungen zu beleuchten, war das Thema, welches der Verein vom 14.-16. März 2014 in Elstal bei Berlin abgehalten hat.

Dr. Thomas Hahn-Bruckart im Gespräch mit Jalka

Da Jalkas Vortrag im kommenden Jahrbuch auch schriftlich vorliegen wird, kann ich mich hier auf einige allgemeine Bemerkungen beschränken.

Geburtstag 2014: John Lilburne (um 1614-1657), ein Quäker von echtem Schrot und Korn

Im 17. Jahrhundert schlossen sich zahlreiche Dissidenten, Suchende und Nonkonformisten den Quäkern an. Einer davon war John Lilburne, der jüngere Bruder von Robert Lilburne (1613-1665), eines späteren Militärstrategen. John wurde um das Jahr 1614 am englischen Königshof, an dem seine Eltern als Bedienstete arbeiteten, als Sohn von Richard Lilburne geboren. Frühzeitige war er für gesellschaftliche Unterschiede sensibilisiert und erwärmte sich für radikale Ideen religiöser Randgruppen, vor allem die der Puritaner, deren Schriften er bald illegal aus Holland einführte. Um 1636 wurde er deswegen inhaftiert und gefoltert, bis er 1640 durch den Lordprotektor Oliver Cromwell (1599-1658) freigelassen wurde. Folgerichtig kämpfte er im Englischen Bürgerkrieg auf dessen Seite, bis zum Jahr 1645, da er den Friedensvertrag mit den Königstreuen Schottlands ablehnte. Jetzt schloss er sich den Levellers, den „Gleichmachern“, an, zu deren Wortführer er bald werden sollte. 

source: wikimedia

Die Levellers waren eine Sammelbewegung von Entrechteten und Idealisten, die vor allem für die ökonomische und juristische Gleichheit derjenigen eintraten, die das Bürgerrecht besaßen.

Gesucht: Zeitzeugen zu der Quäker-Hilfe in Freiburg

Für einen Dokumentarfilm werden Zeitzeugen gesucht, die die Hilfsdienste der englischen und US-amerikanischen Quäker erlebt haben und dazu etwas sagen können. In Freiburg hat es eigentlich immer eine größere Quäkergruppe gegeben, die mit der dortigen Universität in Verbindung stand. Wer dazu etwas beitragen möchte, kann sich bei Herrn Dirk Adam melden:

Kontakt für Zeitzeugen:

Tel. 0761/59 47 95 69
E-Mail: adam.dirk@gmail.com


Eine erste Publikation gibt es bereits: Franz Flamm: Freiburger Erinnerungen an die amerikanischen Quäker 1920-1953, Freiburg 1990. Ergänzend dazu aus Perspektive der Quäker: Karl-Heinz Ulhaas: Mein Leben. Die ersten 75 Jahre. Ein Bericht. Für seine Familie und seine Freunde, Freiburg 2000.

Sonntag, 30. März 2014

Niederdeutsches Bibelzentrum St. Jürgen in Barth: Ausstellung zu Eberhard Tacke eröffnet

In den letzten Monaten habe ich intensiv mit der Kunst von Eberhard Tacke beschäftigt. Zu Tacke bereitete das Bibelmuseum in der Stadt Barth eine Ausstellung vor, die am 29. März 2014 von dem Direktor Johannes Pilgrim, der Mitarbeiterin Irene Schuhmacher-Reidel und mir feierlich eröffnet wurde und seitdem der Öffentlichkeit zugänglich ist.
"Ad altiora tendo": der Wahlspruch des Künstlers, in dem auch leise das ethische Streben des Quäkertums anklingt.



                Impressionen von der Eröffnungsfeier, © Niederdeutsches Bibelzentrum St. Jürgen, Barth 

Diese Zeilen schreibe ich auf der Rückreise von Barth nach Berlin. Selten habe ich so schöne Begegnungen und Anregungen von einer Veranstaltung mitgenommen wie am heutigen Tag. Die anregenden Gespräche über Tacke, über das Quäkertum, über Frieden, Ethik, unsere Gesellschaft und vieles andere wollten gar kein Ende mehr nehmen ... und werden, so Gott will, an anderem Ort in anderem Rahmen eine Fortsetzung finden.