Montag, 31. März 2014

Geburtstag 2014: John Lilburne (um 1614-1657), ein Quäker von echtem Schrot und Korn

Im 17. Jahrhundert schlossen sich zahlreiche Dissidenten, Suchende und Nonkonformisten den Quäkern an. Einer davon war John Lilburne, der jüngere Bruder von Robert Lilburne (1613-1665), eines späteren Militärstrategen. John wurde um das Jahr 1614 am englischen Königshof, an dem seine Eltern als Bedienstete arbeiteten, als Sohn von Richard Lilburne geboren. Frühzeitige war er für gesellschaftliche Unterschiede sensibilisiert und erwärmte sich für radikale Ideen religiöser Randgruppen, vor allem die der Puritaner, deren Schriften er bald illegal aus Holland einführte. Um 1636 wurde er deswegen inhaftiert und gefoltert, bis er 1640 durch den Lordprotektor Oliver Cromwell (1599-1658) freigelassen wurde. Folgerichtig kämpfte er im Englischen Bürgerkrieg auf dessen Seite, bis zum Jahr 1645, da er den Friedensvertrag mit den Königstreuen Schottlands ablehnte. Jetzt schloss er sich den Levellers, den „Gleichmachern“, an, zu deren Wortführer er bald werden sollte. 

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Die Levellers waren eine Sammelbewegung von Entrechteten und Idealisten, die vor allem für die ökonomische und juristische Gleichheit derjenigen eintraten, die das Bürgerrecht besaßen. Für die Levellers entwarf er einen modernen Verfassungsentwurf, der 1649 gedruckt wurde. Nachdem seine Bewegung 1652 gewaltsam niedergeschlagen wurde, musste John Lilburne seine Wirkungsstätte London, wo er mit seiner Frau Elizabeth, der Tochter von Henry Dewell, und zahlreichen Kindern lebte, verlassen. Trotz einer Begnadigung wurde er erneut festgenommen und, zusammen mit einigen Quäkern, inhaftiert. Im Oktober 1654 wurde er auf dem Schiff Cornelian zu einer anderen Haftstätte in Dover gebracht wurde. Unterwegs lernte er William Harding kennen und diskutierte mit ihm während eines Zwischenstopps in Weymouth über das Quäkertum. Mit dessen Ansichten freundete er sich immer mehr an und trat im Herbst 1655 zum Quäkertum über, nachdem er in Dover den Quäker Luke Howard kennen und schätzen gelernt hatte. Auch zahlreiche Trakte der Quäker hatte er gelesen, wozu er in Gefangenschaft Zeit und Gelegenheit hatte.
Erst 1657, kurz vor seinem Tod, wurde er aus der Haft entlassen. Die letzten Monate nahm er noch an Andachtsversammlungen der Quäker in Kent teil. In der letzten seiner immerhin 83 Flugschriften gab er an, ab sofort seine politischen Aktivitäten einzustellen, was er mit seiner Konversion zum Quäkertum begründete. Diese Schrift erschien im Mai 1656 unter dem bezeichnenden Titel: „The Resurrection of John Lilburne now a Prisoner in Dover Castle“. Seine Konversion hatte zur Folge, dass viele Leveller seinem Beispiel folgten und sich in England und Nordamerika den Quäkern anschlossen. Eine erneute Verhaftung durch seinen ehemaligen Freund Cromwell konnte nicht mehr vollzogen werden, da Lilburn inzwischen am 29. August 1657 in Eltham verstorben war. Begraben wurde er unter Anteilnahme von 400 Trauergästen in Moorfields. Cromwell hingegen vermutete, dass Lilburne nur deswegen zu den Quäkern gewechselt sei, um einer weiteren Verhaftung und Folter zu entgehen. Zehn Kinder hinterließ John Lilburne seiner verarmten Frau.

Weiterführende Literatur: Wilfred Whitten: Quaker pictures, second series, London 1894; Pauline Gregg: Free-born John. A biography of John Lilburne, London 1961; Christopher Hill: The World turned upside down, London 1972.

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