Sonntag, 29. Juni 2014

Maximilian Strnad: Stigma „jüdisch versippt“ – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949

Derzeit werden über Quäker in Deutschland so viele Dissertationen und Habilitationen wie nie zuvor verfasst. Woher dieses neue Interesse herrührt und was man davon erwarten darf, soll an anderer Stelle erörtert werden. Hier möchte ich lediglich an eine neu entstehende Studie mit Quäker-Bezug in München hinweisen, die den Titel „Stigma 'jüdisch versippt' – In Mischehe verfolgte Familien 1933-1949“ trägt. 

Die Studie wird von Maximilian Strnad am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München verfasst, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes, Bonn, und durch das Leo Baeck Fellowship Programme for PhD Candidates.
Sie ist weniger an institutionellen Fragen ausgerichtet oder an den andernorts bereits beschriebenen generellen Hilfsmaßnahmen; vielmehr geht es Strnad vor allem um Betreuungsakten und Korrespondenzen mit Betreuten, aus denen sich persönliche Dinge herauslesen lassen, also wie sich die Verfolgung auf das Leben der Betroffenen Frauen, Männern und Kindern auswirkte und wie diese dann darauf reagierten. Neben der Verfolgungszeit geht es in der anspruchsvollen Arbeit insbesondere um die Betreuung der ehemals Rasseverfolgten nichtjüdischen Glaubens nach 1945. Die Quäker haben auch über 1945 hinaus wieder mit dem Büro Grüber und dem Hilfswerk von Margarete Sommer zusammengearbeitet, was bislang kaum erforscht ist.

Im Austausch mit Herrn Strnad hat er mich dankenswerter Weise auf eine neuere Publikation zu der Quäkerin Elisabeth Heims verwiesen. Heims war im jüdischen Zwangsarbeitslager Flachsröste Lohhof bei München gewesen; in seinem letzten Buch hat Strnad sich damit ausführlicher befasst: „Die Geschichte der Flachsröste Lohhof handelt von Zwangsarbeit und von der Verfolgung der Juden. (…) Mehr als 140 engbeschriebene Seiten mit Notizen des jüdischen Lagerleiters Rolf Grabower geben Aufschluss über eine Geschichte, die lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Der Historiker Maximilian Strnad hat dieses einzigartige historische Dokument und andere bislang unbekannte Quellen erstmals für das nun vorliegende Buch ausgewertet.

Vor allem junge Frauen wurden in der Flachsröste zu harter körperlicher Arbeit gezwungen. Dieses Buch schildert ihre Entrechtung und ihre Ausbeutung, auf die meist Deportation und Ermordung folgten. Ihr Los hing von wenigen Akteuren ab. Biografische Skizzen verdeutlichen, wie der jüdische Lagerleiter, der deutsche Vorabeiter oder der für die Kontrolle des Lagers zuständige SA-Mann die ländliche Idylle der Flachsröste für die Frauen zur 'Hölle von Lohhof' machten“.

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