Sonntag, 29. Januar 2012

Quäkerin der Woche (5): Mary Dyer

Mary Dyer entstammte der Barrett-Familie zu Quindon (Essex) und wurde wahrscheinlich 1591 in London geboren. Um sie nicht mit der Shakerin Mary (Ann) Dyer zu verwechseln, wird sie Mary Dyer, die Märtyrerin, genannt. Nach einer Legende soll sie eine Tochter einer geheimen Heirat von Arabella Stewart und William Seymour sein, wodurch ihr Thronansprüche nach dem Tode Charles I. (1649) angedichtet wurden. Sie hatte eine gute Ausbildung erhalten und war sprachlich talentiert, ihre Reden und Predigten überzeugten und beeindruckten. Um der außergewöhnlichen Wirkung ihrer Sprachmächtigkeit vorzubeugen, wurde 1660 auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung getrommelt, so dass ihre letzte Predigt von niemandem gehört werden konnte.

Emil Fuchs: Matthäus-Exegese (1935)

Schon seit Jahren beschäftigt mich die Exegese, die der Theologe, evangelische Pfarrer und Quäker Emil Fuchs während des Dritten Reiches privat verfasst hat. Die Struktur der Manuskripte ist immer die gleiche: erst kommt ein Bibelzitat, dann die Auslegung von Emil Fuchs, und schließlich einige passende Zitate aus dem Tagebuch von George Fox.

Sonntag, 22. Januar 2012

Nonviolent Resistance- What makes it work?

Wolfgang Hertle hat mich auf die folgende Veranstaltung hingewiesen:

Am 3. und 4. Februar veranstaltet das Einstein Forum, Potsdam zusammen mit dem Hamburger Insitut für Sozialforschung ein nicht-öffentliches Kolloquium zum Thema "Nonviolence"-  mit TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern, darunter auch Howard Clark.

Vor dem Colloquium gibt es jedoch zu dem Thema eine öffentliche Veranstaltung:

Ort:  Einstein Forum
Am Neuen Markt 7
14467 Potsdam

Samstag, 21. Januar 2012

Marianne Subklew: Spiritualität und Gewaltfreiheit

Vom 27. bis zum 29.4.2012 findet am Geistlichen Zentrum Schwanberg (Bayern) ein Kurs zu Spiritualität und Gewaltfreiheit statt. Die Leitung hat Dr. Marianne Subklew, die unter anderem am Quäker-College in Birmingham studiert hat und als ev. Theologin, Politikwissenschaftlerin und Beauftragte des Landes Brandenburg für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur tätig ist.

Widerstand in der NS-Zeit: Georg F. Sacke (1902-1945)

Eine Lebensbeschreibung zu Georg F. Sacke wurde am 21. Januar 2012 von der "Sächsischen Biografie" online gestellt. Man liest dort: „Seit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten betätigte sich S. im Widerstand. Wegen Beteiligung an einer legalen Spendenaktion der Quäker, die Maria Grollmuß und Hermann Reinmuth, Mitglieder der Sozialistischen Arbeiter-Partei, leiteten, war er 1934/35 in Dresden und im Konzentrationslager Sachsenburg bei Frankenberg inhaftiert“.

Mehr hier: http://saebi.isgv.de/biografie/Georg_Sacke_(1902-1945)


Quäkerin der Woche (4): Ann Camm

Ann (auch Anne) Newby wurde als Tochter von Richard Newby 1627 in Kendal (Westmorland) geboren. Mit dreizehn Jahren wurde sie von ihren Eltern zu ihrer Tante nach London geschickt, wo sie eine erstklassige schulische und erzieherische Ausbildung erhielt. Dort zählte sie sich zu den Puritanern. Nach sieben Jahren kehrte sie nach Kendal zurück und hielt sich nun zu den Seekern, einer temporären Inspiriertengruppe Englands.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Friedhofskultur

Ab sofort erhältlich ist das Heft 5 des 56. Jahrgangs 2011 der Zeitschrift "Friedhof und Denkmal":

darin enthalten ist mein Beitrag: "Der Quäkerfriedhof in Minden: Ein kulturgeschichtliches Denkmal".

2009 wurde der Mindener Quäkerfriedhof in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Die behördliche Begründung hätten sich die ersten deutschen Quäker, die ja zunächst hart verfolgt und erst langsam und widerwillig toleriert wurden, nicht einmal träumen lassen: „Der Friedhof ist eines der wenigen sichtbaren Zeugnisse für eine besondere Strömung der Erweckungsbewegung, wobei die ‚Gesellschaft der Freunde’ in Deutschland weitgehend auf den Raum um Minden und Bad Pyrmont beschränkt geblieben ist. In ihrer konsequenten Haltung gegen zahlreiche gesellschaftliche und politische Gepflogenheiten dokumentierten die sich zu den Quäkern rechnenden Mitglieder ihre mutige Haltung“.

Inzwischen wurde vom Museum auch eine Leseprobe zur Verfügung gestellt.


Montag, 16. Januar 2012

Zwischen Quäkerstraße und Foxweg: eine Fotodokumentation aus Berlin

Irgendwann Mitte der 60er Jahre kam man auf die Idee, mit zwei neuen Berliner Straßen die Quäker zu ehren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich bis heute noch kein Quäker in diese Straßen verirrt hat. Verpasst hat man nicht viel, aber einige Besonderheiten fallen doch auf. Also, zurücklehnen, und in der warmen Stube gefahrlos eine kleine Reise am PC unternehmen, in den hintesten Teil des Berliner Nordens, "dove i tram non vanno avanti più", wie die Italiener sagen. 



Eberhard Tacke: Neue Entdeckungen

Der Maler und Zeichner Eberhard Tacke (1903-1989) fasziniert mich als Kunsthistoriker schon seit einigen Jahren. Seine Porträtzeichnungen finde ich nicht in allen Fällen überzeugend, doch dann wieder gibt es wunderschöne Kreide- und Ölmalereien, die wirklich berühren, auch heute noch. In den letzten Jahren habe ich viele Orte aufgesucht, um irgendwann einmal ein kleines Tacke-Werkverzeichnis zusammenzustellen. Jetzt bin ich auf eine besonders schöne Arbeit gestoßen, die wohl noch völlig unbekannt ist:


(mit freundlicher Genehmigung des Archivs Bibelzentrum Barth)

Es handelt sich um die biblische Geschichte des Jonas (Altes Testament), der von einem Fisch gefressen wird, überlebt und nach einigen Tagen als neuer Mensch an Land zurückkehrt.



Samstag, 14. Januar 2012

Maria Thum-von Heyl: Einladung zum Vortrag über Elizabeth Fry in Karlsruhe


"Schön, dass man nicht der einzige ist" denke ich stets, wenn ich von Mitstreitern erfahre, die sich ebenfalls mit dem Quäkertum beschäftigen. Daher ist es mir eine echte Freude, hier auf einen Vortrag von Maria Thum-von Heyl hinzuweisen. Thema ist: "Elisabeth Fry. Botschafterin der Barmherzigkeit".

Die nach meiner Kenntnis bislang einzige Marke der Deutschen Bundespost mit einer Quäkerin: Elizabeth Fry. Das war 1952.

Ort: Hotel Eden, Bahnhofstraße 15, 76137 Karlsruhe
Termin: 8. März 2012
Zeit: 15 Uhr
Veranstalter: Lyceum Club Karlsruhe

Gäste - natürlich auch Quäker - sind herzlich willkommen. 

Hier noch etwas mehr dazu:

Quäkerhymne zum Wochenende

Monika Petry hat am 14. Januar 2012 den Quäkern, also viellmehr George Fox, eine kleine Hymne gewidmet:


Quäker der Woche (3): Edward Burrough

Edward Burrough wurde als Sohn des Amtmannes James Burrough um das Jahr 1634 in dem Ort Underbarrow (bei Kendal, Westmorland) geboren. Er hat eine höhere schulische Ausbildung erhalten, und sein Charakter war nach dem Urteil vieler Zeitgenossen früh ausgereift. Vom Elternhaus her war er als Anglikaner aufgewachsen, doch suchte er schon früh verschiedene Konfessionen und Denominationen auf, um eine „Gemeinschaft in der Wahrheit“ zu finden. Zunächst hielt er sich kurzzeitig zu den Puritanern, später zu den Presbyterianern. Im Jahre 1652 hörte er eine Predigt von George Fox (1624-1691) in Kendal, die ihn spontan überzeugte, so dass er sich im Alter von 17 Jahren der Bewegung anschloss, die später den Namen Quäker führte.

Swingern einmal anders

Ja, Frauentausch ist nicht erst seit Mitt Romneys Kandidatur ein Thema, sondern geisterte als Vorwurf der Konfessionen an die kleinen Gemeinschaften (wie Herrnhuter, Mennoniten, Täufer) immer mal wieder durch die Geschichte. Auch den Quäkern wurde, als den Gegnern die Argumente ausgingen, Polygamie vorgeworfen. Auch wenn sich vielleicht der eine oder die andere insgeheim so etwas gewünscht hätte, so muss man sagen, dass es bei den Quäkern doch stets recht sittsam zuging. Um so erstaunter war ich, als ich vor Jahren tatsächlich auf einen Frauen- bzw. Männertausch gestoßen war. Ich hatte den Fall damals in minutiöser Kleinstarbeit rekonstruiert und auf einem Vortrag in Herford mit angeregter Diskussion vorgestellt. Der Bericht darüber ist jetzt seit kurzem im Netz: - und so habe zumindest die, die nicht teilnehmen konnten, jetzt die Möglichkeit des Nachlesens.

Lutz Caspers zum Beauftragten für Dokumentations- und Archivierungsangelegenheiten ernannt.

Die 81. DJV hat Lutz Caspers zum neuen "Beauftragten für Dokumentations- und Archivierungsangelegenheiten" ernannt (so lautet der Titel tatsächlich).
Dieses Amt hat es bislang nicht gegeben, und ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wo etwas über Aufgaben und Pflichten zu dieser neuen Tätigkeit zu erfahren ist. Eigentlich schade, denn unter dem alleinigen Titel kann man sich alles und nichts vorstellen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

"Frieden entdecken in Wien": Neues Buch von Susanne Jalka

Wien ist nicht nur eine Wohlfühlstadt für Romantiker oder Nostalgiker, sondern Wien ist auch eine Stadt des Friedens. Das ist natürlich jede Stadt und jedes Dorf, aber selten wird einmal zusammengetragen, was einen Ort zum Friedensort macht. S. Jalka, Pädagogin aus Wien und vielen Quäkern als langjährige Schreiberin der DJV bekannt, hat sich mit diesem Aspekt beschäftigt. Herausgekommen ist das Buch „Frieden entdecken in Wien“ (212 S., 2011, Verlag Pro Business GmbH Berlin, 20,-€ incl. MWS).
Die Quäker kommen in so einem Buch natürlich an prominenter Stelle vor, und überhaupt atmet das ganze Buch, was bei dem Thema nicht verwundert, Quäkergeist. Besonders aufgefallen sind mir die Überlegungen zur Friedenswissenschaft und zu Bertha von Suttner, mit der sich Jalka schon Jahre zuvor beschäftigt hat – sozusagen schreibt hier eine Suttner-Expertin.
Doch zurück zu den Wiener Quäkern.

Sonntag, 8. Januar 2012

Quäker der Woche (2): Christopher Atkinson

Christopher Atkinson stammte aus Kendal, Westmorland, wo er um 1610 geboren wurde. Über seine ersten Jahrzehnte ist nichts bekannt. 1652 wurde er nach einer Begegnung mit George Fox (1624-1691) zum Anhänger der Quäkerbewegung. Bis zu seinem Ausschluss zählte er zu den „Valiant Sixty“, zu den 60 ersten und bedeutendsten Quäkern, die in England für ihren Glauben einstanden, öffentlich Zeugnis ablegten und Verfolgungen zu erleiden hatten.

Samstag, 7. Januar 2012

Internationale Beziehungen anno dazumal

Wie einigen Lesern ja bekannt sein dürfte, war Friedensthal die einzige Quäkerkolonie, die auf dem europäischen Kontinent existierte. Eine kleine Sensation! Ab 1792 wurde die Kolonie aufgebaut, mit schriftlicher Erlaubnis und handfester Förderung des Landesherrn, Friedrich Karl August von Waldeck-Pyrmont (1743-1812). Straßen, Wohnhäuser und Fabriken entstanden. Ludwig Seebohm (1757-1835), die zentrale Figur der Siedlung, gründete sogar eine Buchpresse, David Frank ließ Eisenwaren herstellen und Theodor Marschhausen stand der ersten deutschen Quäkerschule vor. Man bemühte sich um eine liberale Pädagogik, vertrieb die neuesten Quäkerschriften und Judith Bawier gründete eine moderne Mädchenschule. In Pyrmont baute man ein geräumiges Versammlungshaus – übrigens gar nicht einmal das erste, wie man oft liest, sondern das zweite nach dem in Friedrichstadt von 1678. Bekannte Besucher der Quäkerkolonie waren der Dichter Matthias Claudius (1740-1815), die Prinzessin Louise von Preußen (die bei Seebohm auf einen Kaffee vorbeischaute) und auch Johann Wolfgang von Goethe, der allerdings kein Quäker wurde. Wäre er konvertiert, bräuchte man sich heute über Nachwuchs keine Sorgen machen.

Besuch aus fernen Landen: Quäker ante portas (Museum im Schloss Bad Pyrmont, Bildersammlung)

Bücher fürs Nirwana: Literaturausschuss sorgt für Nichtzugänglichmachung

Literatur zu produzieren macht Arbeit und kostet Geld - die DJV gibt dafür jährlich tausende von Euros aus - zu Recht, denn erstens haben viele Mitglieder über Literatur in das Quäkertum gefunden, und zweitens wird man so überhaupt wahrgenommen - wenn man das möchte.

Hier ein Foto des Covers - ich hatte noch Glück, ein Exemplar des seltenen Buches zu bekommen.

Freitag, 6. Januar 2012

Gesucht: Carl Ludwig Althans

Carl Ludwig Althans (1788-1864) war 1803 zu den Quäkern gestoßen und lebte einige Jahre in Friedensthal unter den dortigen Quäkern.

Der Architekt C. Trojan arbeitet derzeit an einer Dissertation über das Leben und das Werk von Carl Ludwig Althans, einem Ingenieur.




Donnerstag, 5. Januar 2012

Gesundheitsschokolade: von Rasche zu Cadbury

Vor einigen Tagen wurde mir aus den USA folgende hübsche Etikette zugeschickt:

Louis Rasche war einst "Schreiber" (Vorsitzender) der Quäkergruppe in Minden. 

Entschließung der DJV: Kairos Palästina Dokument

Im November 2011 wurde eine "Entschließung" der DJV beschlossen, die jetzt allen Mitgliedern per Post zugesendet wurde. Solche Entschließungen haben den Zweck, ihr Gehör zu finden und die Öffentlichkeit zu erreichen. Dennoch wurde sie aus unbekannten Gründen nicht auf die eigene Seite der DJV gesetzt.
In dem Dokument geht es um "Feindesliebe" im Kontext der Palästinenser.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Hexenmeister George Fox



Wer einmal einen etwas anderen George Fox kennen lernen möchte als in den üblichen Darstellungen, dem empfehle ich diesen neuen Beitrag.


Quäker der Woche (1): Benjamin Lay


Der Vater von Benjamin Lay war William Lay, die Mutter Mary Lay (Geburtsname unbekannt). Der Körper ihres am 26. Januar 1682 in Colchester geborenen Kindes war seit seiner Geburt mit schweren Missbildungen versehen: Die Arme hatten eine unterschiedliche Länge, die Beine waren verformt und der Rücken hatte einen überstarken Buckel. Lays Körpergröße betrug nicht mehr als 1, 30 Meter. Da seine Eltern der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) angehörten, wurde er nach den Prinzipien und Grundsätzen dieser Gemeinschaft erzogen. Die Ablehnung der Todesstrafe und die Mildtätigkeit gegenüber den Bedürftigen dürfen als Früchte dieser Erziehung gelten. Nach einem kurzen unzureichenden Schulbesuch sollte Lay nach dem Willen der Eltern seinen Unterhalt als Handschuhmacher bestreiten. Doch es zog ihn in die Ferne, und er heuerte trotz seiner Behinderungen bei den Londoner Reedereien an. Als Seemann trieb es ihn von Hafen zu Hafen, von Kontinent zu Kontinent.

Deutsche Quäker und Pressefreiheit 1930

Kunst und Quäker interessieren. Jetzt hat mich Dr. Horst Sebastian angeschrieben, der über den Prozess arbeitet, der gegen George Grosz geführt wurde.

Elisabeth Fry: Gefängnisreform

In meiner Quäkerbibliographie habe ich hart gearbeitet, möglichst jeden deutschsprachigen Titel aufzustöbern - doch perfekt ist eben nichts. Heute habe ich in der Staatsbibliothek Berlin einen absolut lesenswerten Beitrag des Kriminologen Gerhard Deimlinger gelesen, der in der Bibliographie leider vergessen wurde:

Gerhard Deimling: Stephen Grellets Einfluß auf die Gefängnisreform Elizabeth Frys im Jahre 1813, in: Max Busch, Gottfried Edel, Heinz Müller-Dietz (Hrsg.): Gefängnis und Gesellschaft, Pfaffenweiler 1994, S. 23-33.

Darin erfährt man vor allem etwas über den Einfluss, den die Quäker auf die Preußische Führungselite im 19. Jahrhundert ausgeübt haben. Prädikat wertvoll.