20120909

London, Friends House: Kleines Rest-Home-Denkmal.

Da nur wenige Mitarbeiter meines derzeitigen Arbeitgebers noch einigermaßen ihr Schulenglisch beherrschen, durfte ich an drei Tagen bei den Paralympics in London mithelfen. Ein großartiger Einsatz, der mir viel Freude und neue Einsichten gebracht hat. Nach der Olympiade 1974, bei der ich noch recht klein war, ist dies nun mein zweiter Besuch einer solchen Veranstaltung gewesen. Pflicht für mich ist natürlich ein Besuch bei den Quäkern. Zur Andacht hat es diesmal nicht gereicht, sondern nur zu einer Stippvisite im Friends House London. Einer der Archivare, mit denen ich gut befreundet bin, hat mich auf ein kleines Denkmal hingewiesen, welches ich bislang übersehen hatte:


Zu sehen ist eine Figur, die eine weitere Figur schützt, welche nochmals eine Minifigur schützt. Dieses Quäker-Babuschka erinnert natürlich an das Schutzmantel-Motiv in der katholischen Kirche. Die Skulptur wurde erst 2001 aufgestellt und stammt von Naomi Blake, die selbst als Kind vor den Nationalsozialisten durch die Quäkerhilfe gerettet wurde.

Sonja Weichert: Vortrag zum Wirken der Quäker (25.10.2012)

Am 25. Oktober 2012 wird Frau Sonja Weichert in Minden einen Vortrag halten, unter dem Titel: "Historie in Minden: Das Wirken der Quäker: Was gibt heute noch Zeugnis von dieser Religionsgemeinschaft?".

Veranstalter: Kath. Frauenverband
Ort:  St. Paulus Gemeinde Minden, Wettinerallee 31, 32429 Minden
Zeit: 25.10.2012;  9:30

Bildarchiv: Personen und Architektur, v.a DJV

Im Zuge meiner Forschungen und Nachlassverwahrung ist ein recht umfangreiches Bildarchiv entstanden. Es sind meist Schwarz-Weiß-Aufnahmen, überwiegend Portraits oder Architektur, sehr viel auch aus den 1920er und 1930er Jahren. Zwar hatte ich anfangs überlegt, diese Dokumente Stück für Stück auf diesem Blog einzuarbeiten, doch dazu fehlt es einfach an Zeit. Ich bin aber gerne bereit, zu helfen, wo es geht und gewünscht ist. Allein im letzten Monat hatte ich zwei Bildanfragen, zu Charlotte Pauly und zu Margarethe Lachmund. Ich kann allerdings nicht, wie es sich ein Schüler aus Kassel jetzt wünschte „alles mal auf CD pressen und rüberschicken“ – also bitte nur möglichst genaue Einzelanfragen zu Personen, Ereignissen, Orten etc.

Büste des Quäker-Gründers George Fox aus England aus dem Londoner Quäkerarchiv

20120908

Erinnerung an John Sharp (1812-1853)

1812, vor 200 Jahren, wurde John Sharp geboren, der den deutschen Quäkern eng verbunden war. Ich möchte das Jubiläum zum Anlass nehmen, sein Leben in Erinnerung zu rufen:

John Sharp wurde am 4. Februar 1812 als Sohn des Bäckers Isaac Sharp (um 1782-1837) und Mary (geb. Likeman, gest. 1815) in Brighton geboren. Er besuchte die Islington Road Friends School, die von der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) unterhalten wurde. Sharp wurde Hilfslehrer und, ab 1842, Leiter einer Quäkerschule in Croydon. Am 22. August 1837 heiratete er in Carlisle Hannah Irwin (1814-1864), die Tochter des Müllers Richard Irwin. Von ihren neun Kindern erreichten acht das Erwachsenenalter: Mary Hannah (geb. 1838), Rebecca (geb. 1840), Irwin (geb. 1841), Elizabeth (geb. 1843), John (geb. 1844), Isaac (geb. 1847), Sophia (geb. 1849) und Caroline (geb. 1851). Alle Kinder hatten in ihrem späteren Leben etwas mit Schule zu tun, entweder im Lehramt oder in der Schulverwaltung.

Quäker-Meditationsgruppe Berlin: es geht langsam los...

Empfehlen möchte ich die Quäker-Meditationsgruppe. Sie trift sich bis auf weiters jeden ersten Donnerstag im Monat, in der Planckstraße (Quäkerbüro), um 19 Uhr. Die ersten 90 Minuten sind bei einer Tasse Tee dem Gespräch vorbehalten.
Die eigentliche Meditation ist dann nur eine halbe Stunde lang. Sie findet nicht im etwas kalten und kargen Andachtsraum statt, sondern im humaneren Bibliotheksraum.
Jeder, der mit der Quäkerandacht etwas anfangen kann, der sich für Meditation oder Kontemplation interessiert, ist herzlich eingeladen. Die Idee ist auch, Berufstätigen, die Sonntags arbeiten müssen, eine alternative zur sonntäglichen Andacht anzubieten. Falls auf der Seite der Berliner Gruppe nicht auf die nächsten Termine hingewiesen wird, werde ich die kommenden Termine ein paar Tage vorab hier ankündigen.

Inhalt Quäker-Ausgabe Nr. 2, Band 86, 2012

Inhalt Ausgabe Nr. 2, Band 86, 2012:


-Jochen Dudeck: Interreligiösität oder Dritter Weg. Zum Problem der Doppelmitgliedschaft - sehr empfehlenswert (Lucrezia Mott - richtig: Lucretia Mott)
-Wolfgang Habicht: Der Quäkergottesdienst
-Liselot Petry: Gemeindam lernen, gemeinsam wachsen: Quäker für wirtschaftliche Gerechtigkeit (es geht um das Casa de los Amigos in Mexiko)
-Kerstin Mangels/Annie Janssen: Handbuch für Freundesgruppen: Miteinander fragen - voneinander lernen - zueinander finden (ein nützliches Handbuch zu Glaube, Andacht, die Zeugnisse, Frühe Freunde, Ratschläge und Fragen)
-Gisela Faust: Quäker-Familientag vor 75 Jahren (darauf bezieht sich das Coverfoto, welches nicht privat, sondern Teil der Fotosammlung der DJV ist)
-Martin Manuschek: Quäkers tun't spreach ein richtlig gut Deutsch (so lautet die Überschrift tatsächlich)
-David Mangels: Wir sind alle verantwortlich: Jahrestreffen 2012 der Jungfreunde in Berlin
-Martina Weitsch: Der Europäische Auswärtige Dienst: Ergebnisse nach einem Jahr - Möglichkeiten zur Verbesserung
-Albrecht Will: mit einem Statement, weshalb er nicht zur JV fährt (stört sich an der schlechten Luft, am Anstehen beim Essen, die teilweise fürchterliche Enge beim Sitzen - das ist Suffering pur...)
-Robert Antoch: Buchbesprechung zu Albert Fuchs: Für Recht und Frieden? (empfehlenswert)
-Peter Hohage: Nachruft auf Erika Harms

Der mit dem Licht tanzt

In "Der mit dem Licht tanzt" geht es um jahrhundertealte Weisheiten, überliefert von Männern und Frauen aus allen Teilen der Welt. Gemeinsam ist ihnen allein, dass sie zum Quäkertum gehören, der vielleicht kleinsten aller Weltreligionen. Es geht um Lebensweisheiten, Alltagshilfen und Anregungen zu einem erfüllten Leben, die auch für uns heute gelten und genutzt werden können, ohne dass man zum religiösen Sonderling werden müsste. Die allermeisten Sprüche und Ratschläge kann jeder verstehen, ohne dass man selbst irgendeiner Religion angehören muss, es sind universale Weisheiten jenseits der religiösen Zugehörigkeit.
Die Sammlung von Sprüchen sind Schätze und Ratschläge aus dem Quäkertum, die man nirgendwo sonst konzentriert in deutscher Sprache finden kann: Aussprüche und Erkenntnisse aus 350 Jahren. Besonders im angloamerikanischen Raum sind diese bekannt und geschätzt und zum Teil sogar Bestandteil des allgemeinen Wortschatzes. Auch nach langer Zeit sind sie aktuell und lesbar. Sie sind allgemein verständlich und benötigen nur ein offenes Herz und eine gewisse Neugier.
Wer diese Bereitschaft dazu mitbringt, noch dazu innerlich wachsen möchte und eine Sehnsucht nach Berührung mit dem Göttlichen verspürt, wird nicht enttäuscht werden. Lassen wir uns inspirieren, auf dass wir selbst Weisheit erlangen!

  • Broschiert: 168 Seiten
  • Verlag: Hess, Bad Schussenried (16. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3873369389
  • ISBN-13: 978-3873369382


20120906

Einladung zu einem Vortrag über Elizabeth Fry (6.12.2012)

Im November wird es vom Lyceum-Club Frankfurt am Main einen Vortrag von Maria Thum-von Heyl (Karlsruhe) geben. Thema ist die englische Quäkerin Elizabeth Fry (1780-1845), die u.a. Deutschland mehrmals besucht hat und vor allem in der Diakonie Spuren hinterlassen hat. Die Verbindungen zur Quäkergemeinde waren in ihrem Leben besonders wichtig. Der Lebensweg dieser bedeutenden Frau wird vorgestellt: Sie war das Kind eines wohlhabenden Bankiers. Mit 17 Jahren fasste sie den Entschluss, ihr Leben den Notleidenden zu widmen. Sie richtete eine Suppenküche ein, nahm sich der verwahrlosten Kinder an, stiftete eine Schule für verweiste Mädchen und erreichte schließlich für die Frauen Erleichterungen in den Gefängnissen.

Dienstag, 6. November 2012, 14:00 Uhr:
"Elizabeth Fry, Botschafterin der Barmherzigkeit"
Treffpunkt 14:00 Uhr im Café "Altes Rathaus" in 65719 Hofheim, Hauptstraße 40


Doris Brockmann: Besuch des Quäkerhauses Bad Pyrmont 2012

„Alles schon lange her, eher englisch und amerikanisch, ein bisschen amish, gewaltfrei und fromm – das fällt mir so ein, wenn mich jemand nach den Quäkern fragte. Doch nun werde ich eines Besseren belehrt (!!). Wie es ausschaut sind die Quäker nicht ausgestorben und amerikanisch, sondern still alive und auch deutsch. Unweit meines derzeitigen Aufenthaltsortes habe ich ein ockergelbes Knusperhäuschen entdeckt, an dessen Gartenmauer ein Bronzeschild hängt mit der Aufschrift „Quäkerhaus. Versammlungshaus der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker). Erbaut im Jahre 1800. Wiedererrichtet im Jahre 1933“. Nach einem Museum sieht das Ganze nicht aus.

Anette Konrad: Quäker-Baracke in Ludwigshafen

In der Serie „Steinerne Zeugen“ hat Anette Konrad 2011 u.a. einen kurzen Artikel über die Quäker-Baracke in Ludwigshafen verfasst:
(Die Rheinpfalz: Ludwigshafener Rundschau, Nr. 62 vom 15.3.2011) – online allerdings nicht abfragbar.

Die Tafel informiert wie folgt: „An dieser Stelle stand von 1947-1954 die ‚Quäker-Baracke’, von der aus in den Notzeiten nach dem 2. Weltkrieg Lebensmittel, Textilien und Medikamente verteilt wurden. Aus dieser Hilfsaktion entwickelte sich die Städtepartnerschaft mit Pasadena (USA). In dankbarer Erinnerung an die Unterstützung des ‚American Friends Service Committee’ und der Bürger von Pasadena. Die Bevölkerung Ludwighafens 1. März 1988“.

Zu sehen ist die Tafel hier.

20120904

Annett Heide: Nacht der Religionen (2012)

Am vergangenen Samstag hat sie nun stattgefunden: nicht die Nacht der Kirchen, sondern die Nacht der Religionen. Neben Buddhisten, christlichen Gemeinschaften, vielen Moslems habe auch die Berliner Quäker "Sonderschicht geschoben". Ein Bericht wurde von Annett Heide in die Berliner Zeitung gesetzt. Zwar ist es richtig, dass die Quäker von außen als Laienbewegung verstanden werden, doch ist es wichtig, immer wieder auf die Vorstellung des Allgemeinen Priestertums seitens der Quäker hinzuweisen. Nur so wird ein ganzer Schuh daraus.

Neue Rest-Home-Bewohnerin: Dorothea Krüger

Seit Jahren versuche ich, die Geschichte des Rest-Home und seiner Bewohner zu rekonstruieren. Nun bekam ich vom Friends House London die Nachricht, dass die deutsche Quäkerin Dorothea Krüger in dieser Einrichtung zu Gast war. Von dort schickte sie 1939 eine Karte nach Holm-Seppensen. Auf dieser habe ich das Rest-Home einmal markiert:


Ich bin immer sehr dankbar für solche Hinweise, da sich nur sehr wenige Informationen über diese faszinierende Rettungs-Einrichtung erhalten haben.

20120903

Armin Dittrich verstorben

Vor wenigen Tagen ist Armin Dittrich überraschend verstorben - eine traurige Nachricht für die Berliner Gruppe und alle, die ihn gekannt haben. Informationen bzgl. Trauerfeier sind bei den Berliner Quäkern zu erfahren.
Armin Dittrich war bis etwa 2008 ein regelmäßiger Gast in der Berliner Planckstraße. Wenn ich die Protokolle der letzten zwanzig Jahre überfliege, fällt auf, wie oft Armin bei uns war. Mit ist noch der Abend in Erinnerung, an dem Armin einen sorgfältigen Vortrag über William Penn vorgetragen hat, an dem er Monate gearbeitet hatte.

Eva Hermann: eine Gerechte unter den Völkern

Eva Hermann wurde am 24. Mai 1900 als Eva Lüddecke in Grünenplan (bei Hildesheim) als Tochter eines Pfarrers geboren, evangelisch getauft und in Goslar konfirmiert. Sie hatte einen Bruder, von dem sie jedoch getrennt wurde, um ihre Schulzeit in einem Internat in Dreißig, nahe Döbeln (Sachsen), zu verbringen. Dort lebte sie vom 13. bis zum 21. Lebensjahr. Anschließend zog sie als Privatlehrerin nach Mannheim, wo sie an der Jugendbewegung teilnahm und im Versöhnungsbund mitarbeitete. 1933 löste sie, gemeinsam mit dem Pfarrer Wilhelm Mensching (1887-1964), diesen Bund auf und vernichtete vorsorglich alle personenbezogenen Unterlagen.
Eva Hermann als aufmerksame Zuhörerin auf einer Jahresversammlung in Bad Pyrmont.

Bommel über den Kindertransport 1938

Seit etwa 2005 erfreut sich das Thema Kindertransport, für welches sich lange Zeit kaum jemand interessiert hat, zunehmender Beliebtheit. Vor einiger Zeit berichtete der Blogger "Bommel" auf wordpress über den Kindertransport, und ging darin, wenn auch nur kurz, auf die Quäker ein: "Insgesamt wurden durch die Kindertransporte etwa 20.000 Kinder und Jugendliche nach England, in andere westeuropäische Länder, die USA und Canada gerettet. Davon blieben annähernd 10.000 (9354) in England. Etwa 2.000 von ihnen waren in zum Protestantismus, Katholizismus konvertierte oder in konfessionslose Familien hineingeboren worden. Gleichwohl galten sie den Nazis als Juden. Für sie übernahmen die Kirchen und die Quäker in Absprache mit den jüdischen Hilsorganisationen Organisation und Kosten".