Sonntag, 9. September 2012

London, Friends House: Kleines Rest-Home-Denkmal.

Da nur wenige Mitarbeiter meines derzeitigen Arbeitgebers noch einigermaßen ihr Schulenglisch beherrschen, durfte ich an drei Tagen bei den Paralympics in London mithelfen. Ein großartiger Einsatz, der mir viel Freude und neue Einsichten gebracht hat. Nach der Olympiade 1974, bei der ich noch recht klein war, ist dies nun mein zweiter Besuch einer solchen Veranstaltung gewesen. Pflicht für mich ist natürlich ein Besuch bei den Quäkern. Zur Andacht hat es diesmal nicht gereicht, sondern nur zu einer Stippvisite im Friends House London. Einer der Archivare, mit denen ich gut befreundet bin, hat mich auf ein kleines Denkmal hingewiesen, welches ich bislang übersehen hatte:


Zu sehen ist eine Figur, die eine weitere Figur schützt, welche nochmals eine Minifigur schützt. Dieses Quäker-Babuschka erinnert natürlich an das Schutzmantel-Motiv in der katholischen Kirche. Die Skulptur wurde erst 2001 aufgestellt und stammt von Naomi Blake, die selbst als Kind vor den Nationalsozialisten durch die Quäkerhilfe gerettet wurde.
Geehrt wird hier Bertha Bracey (1893-1989), die einige Leser und Leserinnen ja schon als Mitarbeiterin des Rest-Home kennen. Dem Text der Plakette nach war es Bertha Bracey, die zwischen 1933 und 1948 Tausende von Verfolgten, darunter viele alleinstehende Kinder, helfen konnte. Diese künstlerisch gelungene Ausgestaltung spricht viel mehr an als die etwas kitschige Abschiedsszene, die vor dem Berliner Bahnhof Friedrichstraße an die Kindertransporte erinnern soll. Ruhe, Frieden und Schutz sind hier in liebevoller Weise zum Ausdruck gebracht - ein bescheidenes Denkmal, welches bekannter sein sollte.

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