Freitag, 15. November 2013

in memoriam: Achim von Borries (3.1.1928-14.1.2013)

Es gibt nicht viele Kenner des deutschen Quäkertums, doch Achim (Hans-Joachim) von Borries aus Hamburg war einer von ihnen. Sein Tod in diesem Jahr kam nicht unerwartet, machte aber doch schlagartig bewusst, wie sehr er der Deutschen Jahresversammlung fehlen wird.
Ich habe von Borries um das Jahr 1998 kennen gelernt, am Beginn meiner Friedensthal-Forschungen. Wenige wissen, dass das Interesse von Achim von Borries einen familiengeschichtlichen Hintergrund hatte:
Der Gründer der deutschen Quäker-Siedlung, Ludwig Seebohm, war mit einer Vorfahrin des Verstorbenen, Juliane von Borries (1771-1807), verheiratet. Und 1830 erstellte ein Richter Georg von Borries (1857-1922) den Quäkern ein freundliches Gutachten zur Befreiung von Eidleistungen Über dieses entwickelte sich ein reger Austausch: von Borries interessierte sich für die die journalistische Präsentation vor allem des Friedensengagements, mich vor allem erst einmal das Auffinden von Quellenmaterial. Achim von Borries hat dann viel auf Reisen zusammengetragen, lange nicht alles konnte oder wollte er publizieren. An Quäkerthemen war es besonders Margarethe Lachmund, zu der wir allerdings eine unterschiedliche Ansicht hatten, was aber unseren gegenseitigen Respekt in keinster Weise trübte.
Von Borries hatte das Glück, seine Forschungen ohne einen Broterwerb nachkommen zu können, nachdem er von 1965 seine Redaktions-Tätigkeit der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ aufgab. Viele Jahre arbeitete er dann als freier Publizist zu Themen, die in der akademischen Welt, zumindest in Deutschland, eher unterbelichtet waren: Friedensforschung, Utopiestudien, Bürgerengagement, und eben Quäkerforschung. Mit den Quäkern war er erstmals bei seinen Studien zu dem britischen Pazifisten Bertrand Russell in Berührung gekommen. Schon 1983 publizierte er einen kurzen Lexikonartikel über die Quäker-Pädagogin Elisabeth Rotten. Am wichtigsten, zumindest wohl für Quäker, ist sicherlich die Ausstellungsbroschüre „Stille Helfer: 350 Jahre Quäker" (erschien 1996 zur Wanderausstellung Stille Helfer - Quäker-Hilfe im Nachkriegsdeutschland). Für eine Quäkerpublikation war dieser Band recht erfolgreich; und viele konnten glauben, von Borries sei deutscher oder amerikanischer Quäker. Zu einer Mitgliedschaft konnte er sich nicht entschließen; vielleicht haben wir alle seine verdienstvollen Arbeiten zu wenig gewürdigt und geschätzt?

(PS: da ich gelegentlich gefragt werde: der Berliner Filmregisseur Achim von Borries ist ein bloßer Namensvetter und hat mit der obigen Person nichts gemein, außer eben den Namen)

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