Freitag, 15. November 2013

The Apocalyptic Dream of Samuel Fothergill

Nachricht von einem Traum des Quäkers Samuel Fothergill (1715-1772)/

The Apocalyptic Dream of Samuel Fothergill in 1760


(Journal of the Friends Historical Society, Band 59, Heft 3, 2002, S. 211-214)

1760, als der Bericht über einen Traum gegeben wurde, war Samuel Fothergill 45 Jahre alt. Er hatte eine wildbewegte Jugendzeit verlebt, die alles andere als fromm verlief. In seiner eigenen Lebensbeschreibung spricht er davon, einst Bier gesoffen zu haben wie die Ochsen Wasser. Wie mag er sich wohl gefühlt haben, als sich sein Vater John Fothergill, ein verdienter Quäker, folgendermaßen von ihm verabschiedete: „Und nun, Sohn Samuel, lebe wohl! Ich kann nicht sagen, dass ich den Wunsch habe, dich jemals wiederzusehen, es sei denn, als veränderten Menschen“?
Solche Methoden haben mit christlicher Liebe wenig zu tun, viel jedoch mit den engen Verhältnissen des englischen Quäkertums in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die erhoffte Veränderung trat dann zwar ein, aber nicht durch die Ermahnungen Samuels Glaubensgenossen, sondern durch ein bemerkenswertes Bekehrungserlebnis im Stil des Pietismus und durch das liebevolle Bemühen von Susannah Croudson (1698-1773), seiner späteren Ehefrau. Seit 1736 predigte Samuel Fothergill dann in den Andachten. Was er dort sprach, hinterließ bei seinen Zuhörern einen tiefen Eindruck, denn er predigte aus Erfahrung. Fothergill hatte die Tiefen des Lebens ausgemessen und ihm waren problematische Lebenssituationen nicht fremdgeblieben. Seine Ratschläge holte er sich nicht lediglich aus Büchern, sondern er konnte seinen Nächsten verstehen, da er sich selbst in ihm wiedererkennen konnte.
Fothergill war einer der Freunde, die gelegentlich etwas „sahen“, eine seltene Gabe, die auch in seinem Bericht (s.u.) zum Ausdruck kommt. Dieser Bericht von einer endzeitlichen Vision soll September 1760 in Wotton under Edge aufgezeichnet worden sein, einer Kleinstadt in Gloucestershire. Hier kamen Quäker und Besucher zu einer „Zirkular“-Versammlung zusammen, auf der, anders als zum London Yearly Meeting, nicht nur Delegierte anreisten, sondern alle interessierten Quäker und die „Attenders“, also die regelmäßigen Besucher. Auch kamen Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften zu diesen Treffen, und es war üblich, die Predigten mitzuschreiben und sie weiter zu verteilen.
So sind von dem Traum Fothergills vom September 1760 mehrere handschriftliche Versionen überliefert. Das war nichts Ungewöhnliches, da häufig Predigten oder Ausschnitte davon zu Hause nachgeschrieben wurden. Teilweise dienten sie der eigenen Erinnerung, teilweise wurden sie an Freunde verschickt. Einen ganz ähnlichen Traum hatte Fothergill wenige Monate zuvor gehabt und berichtete dies seinem Cousin Gilbert Thomson am 29. Juni 1760. Auch in diesem Traum vom Frühjahr 1760 hört er eine Trompete, sieht große Menschenmengen - darunter auch seinen Cousin - und die Ketten, mit denen viele an die Erde gebunden sind. Es ist offensichtlich, dass Fothergill in Wotton under Edge von einem Traum berichtete, welcher ihn seit Monaten beschäftigte.
Inhaltlich belegt der Text die Bedeutung, die das Buch der Apokalypse einmal für das Quäkertum hatte. Zentrale Elemente, wie die schallende Posaune, die Erde und das Meer, die weiße Bekleidung, das Jüngste Gericht und die Ketten sind daraus entnommen. Offensichtlich ist auch die pädagogische Absicht des Visionsberichtes: Fothergill wollte diejenigen warnen, die seiner Meinung nach den irdischen Dingen zu sehr verhaftet waren.
Wie das Exemplar, das der Handschrift nach auf das frühe 19. Jahrhundert zu datieren ist, in das Berliner Quäkerbüro (Planckstraße) gelangte, ist nicht bekannt. Da jedoch die hiesige Version mit derjenigen von Stephen Grellet aus dem Swarthmore-Archiv identisch ist, mag der Bericht durch Grellet während seiner Reisen nach Deutschland 1814 oder 1832 mitgebracht oder nach Deutschland geschickt worden sein.

Der Quäker Fothergill ist den deutschen Freunden vielleicht nicht unbekannt. Ein Abschnitt aus einem seiner Briefe ist in das Buch „Christliches Leben, Glauben und Denken“ von 1951 aufgenommen worden. Er zählt zu den einflussreichen Quäkern des 18. Jahrhunderts, der die Phase des Quietismus durchbrach und dem evangelikalen Quäkertum die Bahn ebnete.






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