Sonntag, 7. April 2013

Maurice de Coulon: Meisterwerke der Keramik (Berlin Winter 2012/13)

Diesem Beitrag möchte ich etwas vorwegschicken: ich bin nicht mit Maurice de Coulon näher befreundet als im Rahmen der üblichen Quäker-Mitgliedschaft, ich bin nicht von ihm angerufen oder angemailt worden, um über seine Ausstellung zu schreiben, und ich hoffe, dass ich auch hier künstlerische Leistung unabhängig von persönlichen Erlebnissen, positiver wie negativer Art, möglichst sachlich beurteile. Sine ira et studio also.
Ich muss und will gleich damit beginnen: die kleine Coulon-Ausstellung ist das Allerbeste, was jemals im Quäkerbüro Berlin gezeigt wurde, und wird wohl für viele Jahre auch das Beste bleiben. Es ist nur sehr bedauerlich, dass diese geniale Werkschau schon wieder abgebaut wurde – ich habe es versäumt, rechtzeitig darüber zu berichten. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als eine kleine Rückschau zu bieten. Dem Himmel sei Dank, dass ich die Ausnahmen schon Ende letzten Jahres gemacht hatte, denn Kunst lässt sich schlecht beschreiben: Kunstwerke muss man einfach sehen.

Abb.1: Blick in die Galerie im Eingangsbereich

Glücklicherweise hat der Künstler eine eigene Homepage, so dass ich die biographischen Stationen nicht weiter anführen muss: http://www.de-coulon.de/

       Abb. 2

Coulon kam 1967 zum Quäkertum, und ein Jahr darauf setzt sein künstlerisches Schaffen ein – in einer soziopolitisch bewegten Zeit, zumindest in Westdeutschland. Im Laufe der Zeit hatte er Ausstellungen in Galerien und Museen in Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Frankfurt (am Main), Genf, Hamburg, Hannover, Köln, Mönchengladbach, Wiesbaden und Zürich.
Einige der ersten Museen Deutschlands besitzen – zurecht – „einen Coulon“, so etwa die Kunstsammlungen der Veste Coburg, das Düsseldorfer Hertjens-Museum oder das Landesmuseum Baden-Württemberg in Stuttgart. Damit ist er der mit Abstand erfolgreichste Quäker-Künstler in Kontinentaleuropa (außerhalb Englands und Irlands).

Es geht um keramische Objekte, die Coulon treffend als „Findlinge meiner Erlebenswelt“ bezeichnete. Es sind Faltenwürfe und Wölbungen, die sehr gut zu dem Modellierhaften von Keramik passen. Coulon selbst spricht von der „erotisch anmutenden Sinnlichkeit“ seiner Arbeiten, die zum Berühren einladen (sollen), und gleichzeitig haftet den Arbeiten etwas Poetisches an.

Was ist nun eigentlich dargestellt? Die Werke sind nicht betitelt. Eindeutig sind wohl Körperöffnungen das mutige Thema, dem sich der Künstler stellt. Zumindest Objekt 4 und 5 sind klar als Vagina und als Anus zu erkennen. So etwas ist in der zeitgenössischen Kunst nichts Ungewöhnliches und auch in Quäkerkreisen – ich appelliere hier an die oftzitierte Quäkertoleranz – erlaubt, da die Quäker nicht das körperfeindliche Bild anderer christlichen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften tradieren. Lust und Freude an der Sexualität und am menschlichen Körper – das ist, was hier gefeiert wird. Es ist auch die Schönheit des nackten menschlichen Körpers, der hier in Harmonie, ausgewogenen Proportionen und dezenten Farben präsentiert wird. Coulons Werke reihen sich dabei ein in eine lange Reihe von Künstlern der dezenten Erotik, angefangen von Meistern der Renaissance bis hin zu modernen Vertretern, ich denke an Uta Seidel, Manfred Holz oder Coco de Mer.
Ich könnte noch lange lobende Worte finden, möchte aber lieber noch einige Werke zeigen, die mir besonders gefallen haben:

 Abb. 3

 Abb. 4


 Abb. 5



1 Kommentar:

Michel Mégard hat gesagt…

Schön, das Maurice eine Ausstellung in Berlin machen konnte. Ich habe meine drei Kindern für jeder eine Keramik von Maurice gewählt, und geschenkt (vor ein paar Jahren). Danke Claus für diese Nachricht.
Michel (aus Genf)