Donnerstag, 25. April 2013

Der Theologe Samuel Fisher (1605-1665)

Der Quäker Samuel Fisher ist nicht zu verwechseln mit einem Namensvetter, Samuel Fisher (1742-1803), einem Baptistenprediger aus Norwich. Samuel Fisher aus Northampton (der spätere Quäker) wurde ebenda am 9. Dezember 1605 getauft. Sein Vater John Fisher unterhielt ein Handelsgeschäft für Hüte. Sein Studium schloss Samuel Fisher 1627 mit einem Bakkalaureat an der Universität von Oxford, Trinity College, und einem Magister an der New Inn Hall drei Jahre darauf ab. Im Jahre 1627 war Fisher vom Bischof zu Peterborough ordiniert worden. Fisher wurde zunächst Kaplan bei einem adeligen Puritaner. Nach einer weiteren Priesterweihe 1643 bei den Presbyterianern wurde er Priester in der Gemeinde Lydd (Grafschaft Kent). Jährlich verdiente er zweihundert Pounds - für damalige Verhältnisse ein kleines Vermögen.
Erste Zweifel an der traditionellen Kirchenlehre und Liturgie kamen bei ihm auf, nachdem er mit Luke Howard aus Dover (1621-1699) einen Disput über die Rechtmäßigkeit des Psalmsingens geführt hatte. Auch der bezahlte Predigtdienst und die Kindertaufe waren mit seinem Gewissen nicht länger zu vereinbaren. Er gab also noch vor 1649 seine gut bezahlte Stellung auf und wurde, um seine eigene Familie zu ernähren, Bauer in Ashford. Dort predigte er weiterhin, diesmal jedoch unbezahlt, den Baptisten, denen er sich zeitweise angeschlossen hatte. William Penn (1644-1718) äußerte sich über diese bemerkenswert konsequente Haltung Fishers wie folgt: „who from being a teacher, became willing to be taught“. Die Baptisten führten zahlreiche Kontroversen mit den Quäkern, wobei der Baptistenprediger George Hammond die führende Stellung einnahm. Fisher wurde besonders von den Quäkern William Caton (1636-1665) und John Stubbs (1618-1674) beeinflusst, die seiner Meinung nach die Wahrheit predigen würden. Als Hammond befürchtete, Fisher könnte zu den Quäkern überlaufen, klagte er seinen Glaubensbruder der Zauberei an. Das war der äußere Auslöser für Fisher, im Jahre 1655 zu den Quäkern überzugehen. Im gleichen Jahr traf er in Romney auf George Fox (1624-1691), dem Gründer der Quäkerbewegung. Später behauptete Fox, er habe als erster Fisher zum Quäkertum geführt, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht.
Als am 17. Juli 1656 Oliver Cromwell (1599-1658) das Parlament in der Painted Chamber (Whitehall) zusammenrief, war auch Fisher unter den Anwesenden, ohne allerdings gerufen worden zu sein. Er nutzte die Gelegenheit, um sich öffentlich gegen Glaubensverfolgungen auszusprechen. Gleich zu Beginn wurde er allerdings in seiner Rede unterbrochen, da man ihn als Quäker nicht öffentlich sprechen lassen wollte. Gewaltsam wurde er zum Schweigen gebracht. Wenige Tage darauf begab er sich am 24. Juli 1656 in die Kirche St. Margaretha (Westminster), um den Parlamentsangehörigen über privates und öffentliches Verhalten zu predigen. Später begleitete er Edward Burrough (1634/35 - 1663) nach Dunkirken, das damals zur englischen Krone gehörte, wo er mit Kapuzinern, Jesuiten und englischen Soldaten disputierte. Nach einem kurzen Aufenthalt in London setzte er 1658 auf den Kontinent über, hielt sich mit John Stubbs in Deutschland auf, überquerte die Alpen und begab sich, gemeinsam mit Stubbs, über Venedig nach Rom. Dort predigten sie öffentlich auf Marktplätzen, verteilten Quäkerschriften und disputierten auf Latein mit Kardinälen. Auch der Quäker John Luffe (1583-1666), der in jenen Jahren als prominenter Gefangener der römischen Inquisition im Vatikan einsaß, wurde von ihnen im Gefängnis besucht. Trotz ihrer aus Sicht der katholischen Kirche häretischen Ansichten ließ man sie in ganz Italien unbehelligt, während dort andere Quäker inhaftiert wurden. Nach seiner Rückkehr nach England verbrachte Fisher den Rest seines Lebens fast ununterbrochen in Gefangenschaft. 1660 debattierte er mit Thomas Danson (gest. 1694) in Sandwich, wurde gewaltsam aus Kirchen verwiesen und schließlich in das berüchtigte Newgate Gefängnis gebracht. Im Winter 1661 wurde er in Gatehouse, Westminster, festgenommen und mehrere Monate in einer ungeheizten Zelle arretiert. Unmittelbar nach seiner Freilassung wurde er erneut in London verhaftet und in das Gefängnis in der Woodstreet gebracht. Dort war er mit weiteren Gefangenen in einem derart engen Raum untergebracht, dass nicht alle zur gleichen Zeit Platz zum Schlafen finden konnten. Vor dem Gericht zu Guildhall verweigerte er den Eid, was zu einer weiteren Gefangenschaft für sechzehn Wochen in dem Newgate Gefängnis führte. Kurz nach seiner dortigen Entlassung wurde er von Soldaten am 21. März 1662 in einem Privathaus erneut gefangen genommen und von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt, bis er von dem Richter Richard Brown zu einer Haft in dem Gefängnis Bridewell verurteilt wurde. Nach sechs Wochen wurde er vor das Gericht zu Old Bailey gebracht, wo man gesetzwidrig erneut von ihm einen Eid verlangte. Fisher verweigerte und musste deswegen 1662 ein weiteres Jahr in Newgate verbringen. Nachdem er einer Quäkerandacht in Charlwood (Surrey) beiwohnte, wurde er direkt in das Gefängnis White Lion in Southwark gebracht. Wegen der grassierenden Pest wurde er befristet freigesetzt, doch Fisher hatte sich bereits im Gefängnis infiziert und starb am 30. Juni 1665. Nachrufe, „Testimonies“, sind erhalten von William Penn, Ellis Hookes (gest. 1681), Luke Howard und Fishers Sohn Halleluja.
Neben Robert Barclay (1648-1690) zählt Fischer zu den gelernten Theologen unter den ersten Quäkern. Er behandelte in seinen Schriften ausführlich die Eidfrage, die ihn mehrmals in Gefangenschaft gebracht hatte. Auch war er außerordentlich redebegabt und ein glänzender Wortstilist. So beteiligte er sich an zahlreichen theologischen Diskursen seiner Zeit, die Sammlung seiner Werke „The Testimony of Truth Exalted“, posthum veröffentlicht, bringt es auf achthundert Seiten.

(Erstveröffentlichung BBKL, Bd. 24, 2005, Sp. 618-826)

Keine Kommentare: