Sonntag, 7. April 2013

Ein kleiner Rückblick: Vortrag über Quäker in Berlin (Februar 2013)

Mein Dank geht nachträglich an den „Internationalen Lyceum-Club Berlin e.V.“, der mich im Februar 2013 gebeten hatte, in Berlin einen kleinen Vortrag über die Quäker zu halten. Ich bin dem gerne nachgekommen, zumal ein Mitglied der deutschen Quäker einst ebenfalls Mitglied im Dresdner Lyceum-Verein gewesen war: Lili Pollatz (1883-1946). Diese bemerkenswerte Frau, die Arbeitsausschüsse häufig nach Berlin brachte, kam über ihre Freundschaft mit Martha Beerholdt in den Verein.


Ich konnte auch kurz darauf eingehen, dass wir mit Lili Pollatz eine Vorkämpferin, ja eine Kämpferin für die Emanzipation vor uns haben. Pollatz war nicht allein Mitglied im Lyceumsverein, sondern sie gründete auch selbst einen Verein: 1905 entschloss sich Pollatz zur Mitgründung des „Vereins immatrikulierter Studentinnen“, der sich dem Dachverband „Verband der studierenden Frauen Deutschlands“ (später: „Verband der Studentinnenvereine Deutschlands“) anschloss. Dessen Zweck war es, „die an der Universität Leipzig studierenden Frauen zu verbinden, zur Erreichung folgender Ziele: a. Förderung der Interessen studierender Frauen, Pflegen des Solidaritätsgefühl und der kollegialen Geselligkeit, b. geistige Anregung“. Aber auch eine finanzielle Unterstützung durch Dahlen oder eine Hilfskasse waren vorgesehen. Die mehrseitige Satzung ist von Pollatz, die damals noch Engelsmann hieß, unterschrieben und größtenteils auch von ihr erarbeitet worden.
Zurück zu den Berliner Quäkern. Mein Vortrag richtete sich eng aus an einen älteren Aufsatz: „300 Jahre angloamerikanische Beziehungen in Berlin: Die Quäkerpräsenz vom 17. Jahrhundert bis heute, in: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte, 67, 2009, Seite 113-132. Neu waren einige Aufnahmen aus dem Leben der Berliner Quäker. Ich bin aber sehr schnell vom Vorlesen zur freien Rede übergegangen, zumal mir der lebendige Dialog mit dem Publikum doch der geeignete Weg erschien, auf Fragen und Wünsche eingehen zu können. Grundfragen kann man heute schnell im Internet nachlesen, aber konkret über spezielle Quäkerthemen zu diskutieren oder die ein oder andere „Geschichte aus dem Nähkästchen“ zu hören, ist ja schon etwas Selteneres. Wenn man jahrelang über Quäker forscht, kann man sich an viele sehr schöne Erlebnisse und Begegnungen erinnern, freilich auch an einige (sehr wenige!) „schwarze Schafe“.
Rundum, es war ein für mich gelungener Nachmittag und die lebendige Diskussion zeigte mir doch von echtem Interesse an unserer kleinen Glaubensgemeinschaft. Ob einige der Anwesenden ihr Versprechen auch eingelöst haben, einmal eine Quäkerandacht in Berlin zu besuchen, kann ich freilich nicht überprüfen. Zu wünschen wäre es, denn von etwa 80 Anwesenden hatte bislang nur eine Person in ihrem Leben eine (schweigende) Andacht in England besucht.

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