Donnerstag, 17. Mai 2012

Vatertag versus Himmelfahrt: Die Alkoholfrage bei Quäkern

Es ist wieder soweit, der Vatertag steht vor der Tür (bei einigen bekannt auch als „Christi Himmelfahrt“). Wie in jedem Jahr steht man vor der Entscheidung: Spirit oder Spiritus? 
Einen deutschen Quäkertext zu Himmelfahrt/Vatertag zu finden, war ausgesprochen schwierig. Dabei hat die Alkoholfrage auch unter Quäkern ihre Bedeutung gehabt; sie war einst ein Hauptthema in der „Temperanzbewegung“ (Mäßigkeitsbewegung) des 19. Jahrhunderts. Die Positionen waren aber nie einheitlich.
(source wikimedia)
Auch am Vatertag werden sich wieder Millionen für den Spiritus entscheiden, 
und nur wenige den freien Tag für ihr spirituelles Wachstum nutzen.

In Minden/Pyrmont hatte Ludwig Seebohm um 1805 (vergeblich) gegen den Alkohol angeschrieben, und die Kaffee- und Zichorienfabrik der Mindener Quäker war ein bewusster Versuch, den Menschen ein Alternativgetränk zu Bier und Wein anzubieten. Die Forderung der Abstinenz hinderte einzelne Mitglieder aber nicht am beliebten häuslichen Destillieren; sicherlich ohne Wissen der Quäkergemeinde, vielleicht auch für medizinische Zwecke. Johann (Jean) Rousseau beispielsweise versuchte, seinen arbeitslosen Sohn nach Minden zurückzuholen, indem er ihm in Aussicht stellte, ihm, einen Quäker, einen gewinnversprechenden Likörladen einzurichten – wozu es aber später nicht kam.

In der DJV spielt die Alkoholfrage kaum eine Rolle – oder sie wird nicht öffentlich angesprochen. Der einzige mir bekannte Text stammt von 1926 „Quäkertum und Alkohol“ und richtete sich als Mahnung damals an junge Leute. Nur Heinrich Otto, der Quäker-Historiker, äußerte sich 1956 einmal mit „Eine Nachbetrachtung zu Himmelfahrts-Betrachtungen“:

„Man mag zum ursprünglich religiösen Sinn eines solchen Festtages stehen, wie man will, einen Gewinn bedeutet diese Art der Verweltlichung auf keinen Fall. Das zusammenhanglose Durcheinander einer sogenannten Kultur der Gegenwart ist schon so sehr in unser Inneres eingegangen, dass die meisten Menschen gar nicht mehr empfinden, welche Kluft sich öffnet zwischen der Festtagsfreude, von der die religiöse Betrachtung spricht, und den Freuden des künstlich konstruierten ‚Vatertages’, die nach der Zeitung am Tage nach Himmelfahrt je nach Veranlagung mit Affen, Kater oder nur einem allgemein schlechten Gewissen enden“ (Der Quäker, 30, 7, 1956, S. 108).

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