Freitag, 9. März 2012

Quäkerbibel entdeckt!

Ich wusst seit etwa drei Jahren, dass sie irgendwo noch existieren müsste: die altehrwürdige Quäkerbibel der Gruppe Minden. Nach Reisen ins ostwestfälische Land, zahlreichen E-Mails und Telefonaten ist sie nach gut hundert Jahren wieder aufgetaucht:


Ich habe noch nicht die Zeit gefunden, diesen für die deutsche Quäkergeschichte wichtigen Fund auszuwerten. Nur soviel: Dies war die Bibel, die in Minden bei den Quäkerversammlungen und Andachten, die ja teilweise bei der Familie Rasche zu Hause statt fanden, zugänglich war. Anfangs konnten nicht alle Mitglieder lesen, wohl aber die Rasches, deren Bildungsstandard überdurchschnittlich war. Der erste handschriftliche Eintrag auf dem Buchdeckel dokumentiert die Geburt von Johannes Rasche 1796 - und das kann nur der Vater, Johannes Rasche d.Ä. (1756-1820), eingetragen haben. Wir können sagen, dass zumindest er dieses Bibel sein Eigentum nannte. Ob er Sie auch angeschafft hat, kann man nicht belegen - es würde passen, denn unter allen Rasches, die ich kenne, war er der an religiösen Fragen am meisten Interessierte. Genausogut kann es sich aber auch um ein Erbstück handeln. In Frage käme auch Dietrich Rasche. Er war in Obernkirchen Bürgermeister, Konsul (Stadtverwalter) und Kaufmann und besaß zwei Häuser mit Ländereien und Gartenland, sowie ein weiteres „Häuschen“. Sein Immobilienbesitz wurde 1695 mit einem Taler und 26 Groschen taxiert, was in der Stadt der höchste zu zahlende Betrag aller Bürger war. Dietrich Rasche ist auch als Geldverleiher an das Mindener Stift mit 100 Talern 1681/82 und mit 200 Talern an die Stadt Obernkirchen 1694 in Erscheinung getreten. Er verstarb 1697.

Wie auch immer: es ist eine Bibel, an der Quäker-Erinnerungen von Generationen hängen. Auch bei den sonntäglichen Bibelstunden (gibt es heute bei dt. Quäkern nicht mehr) wurde daraus vorgelesen, ebenso bei Geburten, Hochzeiten und Trauerfeiern, und wer dieses tat, hatte sicher eine ganz besondere Verantwortung vor der Gemeinde. 
Übrigens: diese Bibel war nur bei der Gemeinde Minden im 19. Jahrhundert in Gebrauch. Die Pyrmont-Friedensthaler Quäkergemeinde hatte ihre eigen Bibel, die sich im privaten Besitz der Seebohms befand.