Sonntag, 27. November 2011

John Bright 200 Jahre alt - und hier ist die neue Biographie

Wie zu erwarten, ist also doch noch in diesem Jahr das opus magnum zu Bright geschrieben worden:
William Cash: John Bright: the life of an eminent Victorian, London 2011.

Auf 352 Seiten ist dort wirklich alles über Bright zu erfahren, natürlich auch sein ganzes verdienstvolles Quäker-Engagement. Ich nehme das zum Anlass, wieder auf diesen vielleicht wichtigsten britischen Quäker des 19. Jahrhunderts hinzuweisen:

John BRIGHT   16.11.1811 - 27.03.1889
Mit freundl. Genehmigung von Friends House Library, London
Der Text erschien erstmals im Biographisch-bibliographischen Kirchenlexikon, und zwar im Band 32, 2011, Spalten 162-181. Erfreulicherweise hatte der Verleger die Texte einige Jahre lang kostenlos ins Netz gestellt. Seit Jahresbeginn 2011 muss man für die Nutzung zahlen, denn auch die Autoren leben nicht von Nächstenliebe allein. Ich wurde daraufhin von einem Quäker aus Westdeutschland angerufen mit der Bitte, ihm das Passwort mitzuteilen, um weiterhin das Angebot gratis nutzen zu können. Das bin dazu leider nicht berechtigt, habe ihm aber versprochen, einige der Texte zukünftig hier ins Netz zu stellen.

John Bright kam am 16. November in Greenbank (Rochdale, Lancashire) zur Welt. Er war der zweite Sohn des Baumwollfabrikanten Jacob (1775-1851) und Martha (geb. Wood) Bright, die von dem frühen Quäker John Gratton (1642/43-1712) abstammte. Bright besuchte, wie die meisten seiner elf Geschwister, in Rochdale die Townhead School, war auch auf der Penketh School, der Hodder School und ging für zwei Jahre auf die Schule zu Ackworth sowie auf die York School (später Bootham), und eineinhalb Jahre an diejenige in Newton-in-Bowland nahe Clitheroe. 1826 kehrte Bright in seine Familie zurück, um beim Leinenweben zu helfen und machte eine Lehre zum Textilhändler in New Mills. 1839 heiratete er Elizabeth Priestman (gest. 1841), die Tochter von Jonathan und Rachel Priestman. Die Tochter Helen (geb. 1840) ist aus dieser Verbindung hervorgegangen. Nachdem die Mutter im September 1841 an Tuberkulose verstorben war, heiratete Bright im Juni 1847 Margaret Elizabeth Leatham, die Tochter von William Leatham, mit der er die folgenden Kinder hatte: John Albert (geb. 1848), Mary Harriet (geb. 1849), William Leatham (geb. 1851), Anna Elizabeth (geb. 1854), Margaret Sophia (geb. 1856), Leonard (1859-1864) und Philip (geb. 1864).
Ab 1843 saß John Bright im House of Commons, erst für Durham, dann ab 1847 für Manchester. Er galt schnell als einer der besten Parlamentsredner. Seine ersten Reden hatte er in der Temperenzbewegung gehalten, ein lebenslanges Anliegen von Bright. Seine politischen Ansichten waren zukunftsweisend, er war einer der fortschrittlichsten Politiker seiner Zeit. Er setzte sich nicht nur gegen den Alkoholmißbrauch und die Sklaverei ein, sondern auch für die Pressefreiheit, die Ausweitung des Wahlrechts (allerdings nicht für Frauen) und für die Möglichkeit, statt einem Eid eine eidesstattliche Erklärung abgeben zu können. Lebensmittel, die vor allem für die ärmere Bevölkerungsschicht notwendig waren, sollten von Steuern frei sein. Interstaatliche Konflikte sollten über ein Schiedsgericht gelöst werden, nicht durch Kriege. 1843 gelang es ihm, zusammen mit Richard Cobden (1804-1865), die Gesetzeslage für den Getreideanbau und -handel für die Farmer zu verbessern. Weniger erfolgreicher war seine Opposition gegen den Krimkrieg, den er als Mitglied der Peace Party nicht verhindern konnte. 1856 sowie 1858 erlitt er deswegen nervliche Zusammenbrüche. Er verlor 1857 seinen Parlamentssitz für Manchester, kehrte aber 1858 für Birmingham überraschend ins Parlament zurück. Der Bürgerkrieg in den USA verursachte bei Bright eine weitere schwere Krise, aber er konnte verhindern, daß die Briten sich den Südstaaten anschlossen. 1868 wurde er Präsident des „Board of Trade“, legte das Amt jedoch 1870 aus Gesundheitsgründen nieder. 1873 und 1880 wurde er zum Kabinettsführer gewählt.
Bright war ein loyaler Quäker, der nicht lediglich ein eingeschriebenes Mitglied war, sondern der die sonntäglichen Andachten regelmäßig besuchte. Zeitweise saß er im Komitee für Ministry and Oversight, wo er u.a. für den ordnungsgemäßen inneren wie äußeren Ablauf von Versammlungen Verantwortung trug. 1889 verstarb Bright am 27. März auf dem Anwesen „One Ash“ bei Rochdale (England) und wurde im Garten des dortigen Quäkerversammlungshauses begraben.