Dienstag, 29. November 2011

Als Quäker in der Sangha: Thich Nhât Hanh-Gruppen

Viele Quäker haben an ihrem Wohnort keine Möglichkeit, regelmäßig eine Andacht zu besuchen, und meist fehlt Zeit und Mut, selbst eine zu gründen. „Alleinlebende Freunde“ werden sie genannt. Sogar in Metropolen wie Dortmund, Leipzig oder Frankfurt treffen sich Quäker nicht wöchentlich, sondern, wenn überhaupt einmal, in viel größeren Abständen. Das war nicht immer so, doch momentan ist anscheinend Berlin die letzte Gruppe, die einen wöchentlichen Andachtsbesuch gewährleistet, zu 70 Prozent Dank einer älteren und erfahrenen Quäkerin.
Für diejenigen, die vor der Haustür keine Gruppe haben oder ihre örtliche Gruppe nicht mehr besuchen möchten, gibt es eine bemerkenswerte Alternative: die Thich Nhât Hanh-Gruppen.











Hier kann man echten Quäkergeist finden, und zwar nicht von zwei oder drei Mittsechzigern, sondern in großen Gruppen unterschiedlichen Alters. Vieles, was man aus dem Quäkertum kennt und vertraut ist, wird hier praktiziert. An erster Stelle natürlich die schweigende Meditation. Anschließend gibt es meist Aussprachen in Form des „Gespräches aus der Stille“. Dogmen und Lehren gegenüber ist man skeptisch eingestellt, große Bedeutung hat die Achtsamkeit, die Nächstenliebe und – das einfache Leben. Selbst die Gewaltlosigkeit ist Grundlage dieser Richtung.
Die gute Nachricht: die Gruppen sprießen wie Pilze aus dem Boden: http://www.intersein.de/ zeigt an, dass es selbst in Orten wie Hohenau und Waldbröl, von denen ich noch nie gehört habe, Treffen gibt. Bei Berlin gibt es sogar ein Retreat-Zentrum mit dem etwas schillernden Namen „Quelle des Mitgefühls“, das ich sehr empfehlen kann, ob Quäker oder nicht.

Nachtrag (1.12.2011): Eine Quäkerin machte mich auf ein Zitat von Roswitha Jarman aufmerksam, das ich gerne wiedergebe:

„Thich Nhat Hanh, der buddhistische Mönch aus Vietnam, rät uns, zu gewissen Zeiten, das was wir tun, ganz bewusst und achtsam zu tun. Ich kann zum Beispiel eine ‚Auf-den-Zug-warten’ Meditation halten, oder eine ‚Einem-schwierigen-Menschen-begegnen’ Meditation machen. Dieses Achtsam-sein, dieses dem Augenblick gegenwärtig sein, zieht uns hinein in eine Stille und Tiefe mitten im Getriebe“.
(Roswitha Jarman: Vom Wesen und Werk der Liebe, Bad Pyrmont 2002, S. 16.)