Donnerstag, 12. Dezember 2013

Quäker, Alchemist, Kabbalist, Theosoph: Franciscus Mercurius van Helmont (1614-1699)

Franciscus Mercurius van Helmont wurde um 1614 in Vilvoorde bei Brüssel (damals Spanische Niederlande, heute Belgien) geboren. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir wenig. Er scheint eine gute schulische Ausbildung erhalten zu haben, zu der auch das Erlernen der Hebräischen Sprache gehörte. Durch das Vermögen seines Vaters war seine finanzielle Unabhängigkeit gesichert. Das leistete jedoch dem Gerücht Vorschub, er beherrsche die Kunst, Gold herzustellen. Auch soll er niemals krank gewesen sein. Wie schon sein Vater widmete er sein Leben der Heilkunst, als Universalgelehrter war er auch an Malerei, Mechanik und vielen anderen Künsten und Wissensgebieten interessiert. Praktisch beschäftigte er sich mit der Behebung von Rückgratverkrümmungen und der Arbeit mit Gehörlosen. Berühmt wurden seine Salben und Mixturen gegen hartnäckige Kopfschmerzen.

                      
                                                                                                         © wikimedia
Franciscus Mercurius van Helmont führte ein Wanderleben. Mehrmals durchzog er Holland und hielt sich zeitweise am Sulzbacher Hof des Pfalzgrafen Christian August von Sulzbach (1622-1708) auf. Dort war er Freund, Berater und Mitarbeiter von Christian Knorr von Rosenroth (1636-1689). Er kaufte für dessen Bibliothek seltene Bücher und vermittelte Kontakte zu zahlreichen Gelehrten seiner Zeit. Erhalten ist van Helmonts Briefwechsel mit Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716), der heute in der Niedersächsischen Landesbibliothek (Hannover) aufbewahrt wird. Im November 1661 wurde van Helmont vom Pfalzgrafen Philipp Wilhelm von Neuburg (1615-1690) auf einer Reise überfallen und nach Rom verschleppt. Dort war er für ein Jahr Gefangener der römischen Inquisition. 
Zehn Jahre darauf begab er sich nach England, um für Elisabeth von der Pfalz (1618-1680), bei der sich der Quäker William Penn (1644-1718) aufgehalten hatte, eine Pension von der englischen Regierung zu erbitten. Am 12. Oktober 1670 traf er erstmals in Cambridge ein, wo er mit dem Neuplatoniker und Philosophen Henry More (1614-1687) und der Gelehrten Ann Finch Conway (1631-1679) bekannt wurde. Mit Ann Finch Conway lebte van Helmont für neun Jahre auf Schloss Ragley in der Grafschaft Warwickshire. Durch van Helmont lernte Conway die Lehren des jüdischen Mystikers Isaak Luria (1534-1572) kennen. Danach ist der gesamte Kosmos beseelt, allein Gott, die All-Seele, befindet sich außerhalb davon. Ziel jeglichen Lebens sei es, zu Gott zurückzufinden, um zur Ruhe zu gelangen. Dieses Ziel könne durch Vergeistigung, tugendhafte Lebensführung und mystische Versenkung erreicht werden. Van Helmont vertrat nun ebenfalls den Glauben an die Seelenwanderung. Die Schöpfung sei aus einem magischen „Central-Licht“ hervorgegangen, das sich im „inneren Lichte“ des Menschen widerspiegeln würde. Spätestens unter Einfluss derartiger esoterischer Lehren wandte er sich vom Katholizismus ab und trat 1677 zusammen mit Ann Finch Conway zu den Quäkern über. Bereits Henry More hatte sich im Mai 1677 in London mit George Fox (1624-1691), dem Begründer des Quäkertums, zu einem Gespräch getroffen. Hier könnte Helmont erstmalig mit Fox zusammengetroffen sein, bevor dieser, zusammen mit den Quäkern William Penn, Robert Barclay (1648-1690), George Keith (1638-1716), dessen Frau Elizabeth (Johnson), John Furly (1618-1686) und dessen Bruder Benjamin (1636-1714), William Tallcoat, George Watts und Isabel Yeomans im Juli des Jahres 1677 zu einer längeren Reise in die Niederlande und nach Norddeutschland aufbrach. Ein Gespräch mit van Helmont hätte der Vorbereitung der Reise in die Niederlande dienen können. Van Helmont war es schließlich, der 1694 Penn dazu bewegte, dessen Tagebuch der Reise zu veröffentlichen, nachdem van Helmont eine handschriftliche Kopie des Tagebuchs im Nachlass von Conway auffand. Nach der Reise begab sich George Fox im März 1678 zu einem lange geplanten Aufenthalt nach Ragley. Dort führte er zwei längere Unterhaltungen mit Lady Conway. Van Helmont erklärte sich bereit, Fox und George Keith bei der Beantwortung mehrerer niederländischer Streitschriften behilflich zu sein, was sich über den ganzen April 1678 hinzog. 
Im Sommer 1680 traf van Helmont in London mit Franz Daniel Pastorius (1651-1719) zusammen, der dort die Emigration deutscher Siedler in das spätere Germantown vorbereitete. Zuvor hatte im Juni des Jahres der König Charles II. der Familie Penn angeboten, Schulden in Höhe von 16.000 Pfund mit Land in Nordamerika zu begleichen. Van Helmont war befreundet mit Keith, der zeitweise eine kabbalistische Christologie vertrat und von van Helmont die Lehre von der Seelenwanderung übernahm, und kannte persönlich Benjamin Furly, den vielleicht bedeutendsten Amsterdamer Quäker. Die Lehre der Quäker war zu diesem Zeitpunkt noch nach verschiedenen Richtungen hin offen. Erst in den 1680er Jahren kühlte das Verhältnis von Fox zu van Helmont ab, da Fox nun dessen kabbalistische Schriften missbilligte. Nach Lady Conways Tod im Februar 1679 konservierte van Helmont ihre Leiche in einer Wanne mit einer alkoholischen Mixtur. Über die Wanne wurde eine Glasplatte gelegt, so dass ihr Ehemann, der sich zum Zeitpunkt ihres Todes in Irland befand, die Verstorbene nach seiner Rückkehr noch betrachten konnte. Erst am 17. April 1679 wurde sie in konserviertem Zustand in einem doppelten Sarg in Arrow (Warwickshire) begraben. Van Helmont veranlasste den Druck von Conways einziger Schrift Principles of the Most Ancient and Modern Philosophy, die 1690 in Amsterdam anonym herausgebracht wurde. Dem Werk wurden allerdings weitere seiner eigenen Schriften beifügte, so dass van Helmont für einige Zeit als Verfasser des Textes angesehen wurde. Erst Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) konnte Conways Autorenschaft öffentlich machen, nachdem ihn van Helmont in die Identität der Anonyma eingeweiht hatte. Van Helmont verstarb 1699 nach seiner Rückkehr aus England in Cölln, einem heutigen Stadtteil von Berlin-Mitte. Die Grabinschrift verfasste von Leibniz: „Nil Patre inferior jacet hic Helmontius alter, Qui junxit varias mentis et artis opes, Per quem Pythagoras et cabbala sacra revixit, Elaeusque, parat qui sua cuncta sibi“.
Über weite Strecken des Lebens dieses großen Universalgelehrten herrscht Unklarheit. Eine Biographie des Franciscus Mercurius van Helmont ist sowohl ein Anliegen der allgemeinen Geistesgeschichte, wie der Religions- und Medizingeschichte. Ohne zusätzliche Kenntnisse des Quäkertums während der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts bleiben allerdings die Schriften van Helmonts unverständlich. Das betrifft vor allem die nach 1670 verfassten Arbeiten, wie A Cabbalistical Dialogue (1682), die Adumbratio Kabbalae Christianae (1684) und die Two hundred queries moderately propounded concerning the doctrine of the revolution of human souls (1684), die nachweislich vom Quäkertum geprägt sind.

(Erstveröffentlichung: BBKL, 25, 2005, Sp. 586-597)

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