Sonntag, 30. Juni 2013

Jubiläum 2014: der Romanautor Jan de Hartog (1914-2002)

Jan de Hartog war ein niederländischer Autor, welcher in Haarlem am 22. April 1914  geboren wurde, wo er auch aufwuchs. Sein Vater war Arnold Hendrik, ein Professor und calvinistischer Prediger, seine Mutter Lucretia de Hartog, eine Universitätsdozentin mit einem Schwerpunkt auf mittelalterlicher Mystik.
In seinen Jugendjahren fuhr er zur See, wo er viel Material für seine meist auch autobiographisch geprägten Erzählungen gewann. Im Alter von 16 Jahren war er für ein Jahr auf dem „Koninklijk Instituut voor de Marine“, ohne Abschluss. „Diese Schule ist nichts für Piraten“ soll man ihm nachgerufen haben. Bis 1932 arbeitete er als Kohlenschlepper im Amsterdamer Hafen. Gerne übernahm er die Nachtschicht, und begann, tagsüber Kurzgeschichten und bald auch Romane zu schreiben. In diese Zeit fällt seine erste Ehe mit Vidia, aus der eine Tochter und ein Sohn hervorgingen.

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Jan de Hartog spielte auch in Filmen mit, etwa 1939 in „Ergens in Nederland“. Sein Schwerpunkt wurden Abenteuergeschichten, die überwiegend von der See oder von exotischen Ländern handelten. Auch verfasste er ab den späten 1930er Jahren Theaterstücke, meist für das Städtische Theater Amsterdam. Populäre Schauspieler konnten für seine Stücke gewonnen werden, genannt seien einmal William Holden (1918-1981), Sophia Loren (geb. 1934), Burl Ives (1909-1995) und Rock Hudson (1925-1985). 2004 wurde ihm zu Ehren in Maassluius eine Gedenkplatte angebracht, da diese Stadt mit der Seeschleppfahrt, einem Hauptthema Jan de Hartogs, eng verbunden ist.
Seine schriftstellerische Karriere begann er mit einer Reihe von einfachen Detektivromanen, die er unter dem Pseudonym „F. R. Eckmar“ herausbrachte. Später war er dankbar, dass seine im puritanischen Amerika moralisch fragwürdigen Geschichten nicht ins Englische übersetzt worden waren. Erst mit dem Buch „Hollands Glorie“ über die Erfolge der niederländischen Seeschifffahrt wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Es erschien kurz nach der Deutschen Besatzung der Niederlande und wurde als Erinnerung an bessere Zeiten und als Appell an den nationalen Stolz Hollands aufgefasst.
Mit seiner zweiten Frau Angela, geb. Wyndham, emigrierte er während des Zweiten Weltkriegs nach London, und dann in den frühen 1960er Jahren an Bord eines Frachters in die USA, wo er als Schriftsteller und Übersetzer arbeitete. Er schrieb fortan in Englisch, und wurde in den USA so etwas wie die „Stimme der Niederlande“. Anfang der 1960er Jahre, kurz nach seiner Übersiedlung, heiratete er erneut, diesmal Marjorie Hein. Was genau das Schicksal seiner beiden ersten Frauen war, ist nicht bekannt. Er ließ sich in Houston nieder und besuchte das Live Oak Friends Meeting. Nach einer Dokumentation 1964 über die Missstände in einem Krankenhaus von Houston, dem Ben Taub Memorial Hospital (damals Jefferson Davis County Hospital) im Stile von Günter Wallraff (geb. 1942), sah er sich gezwungen, mit seiner Familie aus der Stadt fortzuziehen.
In dieser kritischen Phase seines Lebens schloss er sich den Quäkern an. Schon seine Mutter war mit einer bedeutenden Quäkerin befreundet, Emma Cadbury (1875-1965), und er selbst war in den Niederlanden früher als Pazifist aufgetreten: Der holländischen Widerstandsbewegung hatte er sich nur unter der Bedingung angeschlossen, dass er keine Gewalt ausüben müsse. Kontakte hatte er nach London zu den dortigen Quäkern, so vor allem zu Corder Catchpool. Hartogs Aufgabe war vornehmlich die Judenhilfe: durch ihn konnten ca. dreißig jüdische Babys in Zuiderzee vor dem Verschicken in Konzentrationscamps bewahrt werden. Mehrmals war er bei der Familie Pollatz zu Gast, die selbst jüdische Kinder in einem Heim zu retten versuchten. De Hartog konnte das Heim vor allem durch seine Kontakte nach Amsterdam unterstützen. Zwei Mal besuchten de Hartog und M. Pollatz gemeinsam den Direktor J. Juch von der van-den-Bergh-Stiftung für „Geistesschwache“, wie es damals hieß, in dem Seebad Noordwijk. Diese lobenswerte sozialpädagogische Einrichtung war 1924 von der christlichen Stiftung s’Heeren Loo gegründet worden und nach dem Stifter Willem van den Bergh benannt. Dort gelang es, zwei der Jugendlichen aus dem sogenannten „Institut Pollatz“ unterzubringen (Das Interesse von Pollatz an Menschen mit Behinderung rührte übrigens daher, dass er selbst in seiner Kindheit ein Bein durch einen tragischen Unfall verloren hat).
Nach dem Weltkrieg protestierte de Hartog vor allem gegen den Koreakrieg. Neben seinem Sohn hatte er zwei Adoptivkinder, die durch diesen Krieg ihre Eltern verloren hatten. Über die Quäker verfasste er eine Saga in drei Teilen: „t koninkrijk van de vrede“ (Königreich des Friedens), für dessen englische Ausgabe er 1972 für den Nobelpreis nominiert wurde. 1980 folgte eine weitere Quäkererzählung: „The Lamb’s War“, dann 1992, „The Peculier People“. Diese Serie, obwohl allgemein beliebt, wurde von englischen Quäkern zumeist abgelehnt, weil sie das Leben des Verfassers als zu weltlich bzw. „unquäkerisch“ empfanden – vor allem seine Neigung, andauernd lange Geschichten und Geschichtchen zu erzählen, empfanden viele Quäker als Belastung. Von Seiten der amerikanischen Quäker wurde ihm über das Whittier-College 1985 die Ehrendoktorwürde verliehen.
Jan de Hartog verstarb mit 88 Jahren am 22. September 2002 in Houston, wohin er 1990 zurückgekehrt war. Er wurde verbrannt, seine Asche am 6. Dezember 2002 in der Nordsee dem Meer übergeben.

Hauptquelle: Hella Sammartino: Van lichtmatroos tot schrijver: Jan de Hartog, een biografie, Leidschendam (2011).

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