Sonntag, 3. Februar 2013

Quäker in Obernkirchen

Eine kleinere Arbeit zu den Quäkern in Obernkirchen (im Landkreis Schaumburg) durfte ich kürzlich den "Schaumburg-Lippischen Mitteilungen", Heft 35 (2012) beisteuern. In diesem Ort hatte sich, zunächst unter erheblichem Widerstand der ortsansässigen Bevölkerung und vor allem der Geistlichkeit, um 1850 eine kleine Quäkergemeinde gebildet, die immerhin knapp fünfzig Jahre existierte. Am 13. Februar 1853 kam es im Dorfkrug zu einer religiösen Versammlung, die als das Gründungsdatum gelten kann. Quäker aus Norwegen und England halfen dann beim Aufbau der Gemeinde, die von einem Carl Rosemeyer geleitet wurde.



1877 hatte die letzte Besuchsreise aus dem Ausland stattgefunden. Aber auch nach diesen Reisen wurden die Andachten von den Deutschen in eigener Verantwortung fortgesetzt. Von 1883 an bis in das frühe 20. Jahrhundert hat es dann nachweislich in Obernkirchen im Haus des Rosemeyer noch Andachten gegeben. 1903 wurde in seinem Wohnhaus die letzte Versammlung gehalten, doch noch bis 1912 soll es Andachten der Quäker in Obernkirchen gegeben haben. Der Beginn des Ersten Weltkrieges markiert das endgültige Ende einer Quäkergemeinde in Obernkirchen, wie ja auch zuvor bereits die wichtige Schwestergemeinde zu Minden, aus der sie hervorgegangen ist, eingegangen war. Es wurden nun für wenige Jahre, bis sich die deutschen Quäker nach dem Krieg neu zusammenfanden, nirgendwo mehr in Deutschland Andachten gehalten.
Die Quäkergemeinde in Obernkirchen war eine der frühesten Quäkergemeinden überhaupt. In ihrem kurzen Aufblühen, der Begrenzung auf wenige Familien und der ideellen wie finanziellen Abhängigkeit von England ist diese Gemeinde typisch für deutsche Quäkergemeinden des 19. Jahrhunderts gewesen. Erschwerend für ein langfristiges Aufblühen mit Ausstrahlung in die Umgebung war, dass Obernkirchen eine Ortschaft schwerster wirtschaftlicher Probleme war, die durch die Protoindustrialisierung eher verschärft als gelöst wurden. Hinzu kam die Abgeschiedenheit im waldreichen Weserbergland von Schaumburg – hätten sich die Quäker mehr auf das nahe gelegene Hannover mit seinen engen Beziehungen nach England als Basis ihrer Mission gerichtet, wäre ihre Geschichte in Deutschland vielleicht anders verlaufen.

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