Montag, 26. Mai 2014

Friedenszeugnis der Mennoniten

Nicht nur die Quäker haben ein Friedenszeugnis, sondern auch die Mennoniten. Wenngleich die Begründungen beider Zeugnisse unterschiedlich sind, so sind die Auswirkungen durchaus vergleichbar. Die deutschen Mennoniten (Verband deutscher Mennonitengemeinden) haben eine aktuelle Publikation herausgebracht, die mit Kommentaren und Arbeitshilfen das Friedenszeugnis umfassend vorstellt. Das Heft hat den Titel: „Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende“. 


Im Vergleich zu dem Jahrhunderte alten Friedenszeugnis der Quäker ist das der Mennoniten jung: es wurde am 4. Juli 1987 von der Ältesten-, Prediger- und Diakonenversammlung in zehn Punkten verabschiedet. Da dieser Text damals vor allem christologische Akzente setzte und kaum auf konkrete politische und gesellschaftliche Herausforderungen einging, wurde das Zeugnis mit der vorliegenden Publikation ergänzt und um Praxisbeispiele angereichert. Hierbei wurden zahlreiche Friedensinitiativen vorgestellt, an denen Quäker mitarbeiten oder die sogar von Quäkern mitbegründet wurden. Im Anhang sind die wichtigsten Texte zum Thema Frieden seitens der Mennoniten zusammengestellt – eine wahre Fundgrube, die wir Jakob Fehr, Volker Haury, Wolfgang Krauß und Jürgen Moser verdanken. Darunter befindet sich auch ein Brief an Thomas Müntzer von Konrad Grebel und anderen Täufern. In diesem Dokument aus dem Jahre 1524 wird sich klar gegen das Töten ausgesprochen – es dürfte eine der frühesten Stimmen aus dem deutschen Sprachraum zum Pazifismus überhaupt sein (S. 38): „Man soll das Evangelium und seine Anhänger nicht mit dem Schwert schirmen und die Christen sollen es auch selbst nicht tun (…). Rechte gläubige Christen sind wie Schafe mitten unter den Wölfen, Schafe zum Schlachten, müssen in Angst und Not, Trübsal, Verfolgung, Leiden und Sterben getauft werden, sich im Feuer bewähren und das Vaterland der ewigen Ruhe nicht durch Erwürgen leiblicher Feinde erlangen, sondern durch Tötung der geistlichen. Auch gebrauchen sie weder Schwert noch Krieg. Denn bei ihnen ist das Töten ganz abgeschafft – es sei denn, wir gehörten noch dem Gesetz an. Aber auch dort (im Alten Testament) ist, wenn wir es recht überlegen, der Krieg, nachdem sie das gelobte Land erobert hatten, nur eine Plage gewesen“.

Verband deutscher Mennonitengemeinden (Hrsg.): Unser Friedenszeugnis. Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende, Karlsruhe 2011.

Interviews zur Wende 1989: Hans-Ulrich Tschirner, Matthias Schwerendt sowie Bill und Anne Beittel

John Feffer ist ein US-amerikanischer Journalist und Autor, der vielen Berliner Quäkern persönlich bekannt ist. Dank eines Stipendiums konnte er 2012/13 mit vielen Personen ausführliche Interviews führen, mit denen er bereits 1990 als damaliger Mitarbeiter des American Friends Service Committee (AFSC) gesprochen hatte. Es waren unterschiedliche Personen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund, Ausbildung, Einkommen; und nun, nach über zwanzig Jahren, sind die erneuten Interviews eine Gelegenheit, über die „Wende“ oder „Friedliche Revolution“ des Jahres 1989 nachzudenken.

Ein Brief von George Fox an die Bürger der Stadt Hamburg (1679)

                            Hamburg in der zweiten Hälfte des 17. Jhdts., source wikimedia

1679 war die Hansestadt Hamburg von Bürgerunruhen betroffen, an denen orthodoxe Geistliche mit zum Teil widersprechenden Interessen beteiligt waren. Mitten in diese Unruhen hinein erreicht die Bürger auch noch ein „Warnbrief“ des Quäkers George Fox. Dieser Brief hat den Titel „Eine Warnung an die Obrigkeit, Prediger und das Volck der Statt Hamburg. Auf daß sie nicht hoffärtig seyn, sondern sich für (vor, C.B.) dem Herrn demütigen mögen“.
Die Entstehungsgeschichte ist kompliziert; ich habe sie 2002/2003 zusammen mit Annette Fricke (Lünen) zu rekonstruieren versucht. Der daraus entstandene Fachbeitrag konnte dann einige Jahre später in der „Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte“ erscheinen (Band 58, Heft 1, 2006, S. 62-66.

Interessierte können ihn hier lesen.

Gesucht: Nicolai Scheiermann

Bislang ist die Autobiografie des Schriftstellers Nicolai Scheiermann nicht veröffentlicht. Sie trägt den Titel "Lebenserinnerungen eines Wanderers" und reicht bis zum Jahre 1944, samt zweier Beilagen: (1) Mein geistiges Werden, (2) Über den Karlshof (betrifft etwa die folgenden Jahre 1949-53).
Da Scheiermann in Kontakt mit Quäkern stand, geben die Erinnerungen auch neue Einblicke in das Quäkertum in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beispielsweise erwähnt Otto Buchinger, Lebensreformer, Fastenmediziner und Quäker, Scheiermann in seinem Buch „Vom Marinearzt zum Fastenarzt“ - auch hat Buchinger zu Scheiermanns „Vision des neuen lebendigen Lebens“ das Geleitwort beigesteuert. 

Die 380 SM-Seiten sollen von dem Historiker Christoph Knüppel und mir der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Da das Manuskript nicht ganz vollständig ist und wir noch weitere Informationen zu Nicolai Scheiermann suchen, bitten wir diejenigen, denen diese Person und sein Leben bekannt ist, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Quäker im Film: Sieben Psychos

Quäker in Western-filmen sind ein alter Hut, aber dass auch neuere Filme Quäker darstellen, ist hierzulande weniger bekannt. Einer der aktuelleren Filme, in denen sogar ein Quäker die Hautrolle spielt, heißt „Sieben Psychos“. Dem Titel entsprechend handelt es sich tatsächlich um einen Psychofilm, der nichts für schwache Nerven ist. Wer trashige Komödien im Stil von Martin McDonagh liebt, kommt bei „Sieben Psychos“ voll auf seine Kosten.

"No pain no gain" oder „Ohne Kreuz keine Krone“: dritte Auflage in Vorbereitung


„Ohne Kreuz keine Krone“ ist vielleicht das bekannteste und erfolgreichste Buch von William Penn. Es wurde nicht nur von Quäkern über Jahrhunderte gerne gelesen, sondern auch von vielen Christen anderer Konfessionen. Lange Zeit stand keine deutsche Übersetzung zur Verfügung, bis Olaf Radicke und Claus Bernet eine Studienausgabe gestaltet haben. Nützlich sind vor allem das umfangreiche Register und die Bibelverweise zu den einzelnen Kapiteln.

Das Buch geht nun seiner dritten Auflage entgegen. Ich habe an dem Text und dem Apparat keine Fehler mehr entdeckt, falls aber jemand noch konstruktive Anregungen oder Tipps hat, kann er sich dazu gerne an Herrn Radicke (München) wenden, der die Hauptarbeit an diesem Projekt leistet: briefkasten@olaf-radicke.de

Das „Journal“ (spirituelle Tagebuch) von George Fox, das Buch „Früchte der Einsamkeit“ von William Penn und das Tagebuch von John Woolman waren (und sind) nicht nur im Quäkertum äußerst beliebt, sondern zählen sogar zur Weltliteratur. Sie wurden vielfach aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt. Unmittelbar danach, gewissermaßen auf dem undankbaren vierten Platz, folgt schon „Ohne Kreuz keine Krone“.
Ich will im Folgenden der Frage nachgehen, wer diese Schrift aus welchen Gründen übersetzt hat, und anschließend davon berichten, wie „Ohne Kreuz keine Krone“ aufgenommen wurde. Mit großer Sicherheit ist Ludwig Seebohm Übersetzer der Fassung von 1825 (1). Die deutschen Quäker haben diesem Ludwig Seebohm viel zu verdanken. Seebohm ist gewissermaßen eine kleine Ausgabe des großen Penn. Es gibt unzählige Gemeinsamkeiten: Beide waren Kolonisten (Penn gründete einen Staat, Seebohm eine Kolonie), beide waren überzeugte Quäker, beide hielten Mission als Grundvoraussetzung für das Überleben der Gesellschaft, beide haben vielerlei Schriften und Traktate für das Quäkertum verfasst, und beide waren auch leidenschaftliche Prediger.

Evangelikales Quäkertum: Hannah Whitall Smith (1832-1911)

 source: wikimedia

Nur wenigen ist bekannt, dass Hannah Whitall Smith, eine bedeutende Galionsfigur des evangelikalen Christentums in den USA, auch eine Quäkerin gewesen ist. 1832 wurde sie als Tochter von John Mickle Whitall und Mary Tatum Whitall in einer Quäkerfamilie in Philadelphia geboren, deren Vorfahren mit William Penn nach Amerika gekommen waren. Ihre Erziehung nach den damaligen Quäkergrundsätzen war streng und rigide, eröffnete ihr aber auch den Blick nach Innen. Allerdings glaubte man, dass es bereits genüge, als Quäker geboren zu sein, um zu den Wiedergeborenen zu gehören. Außer der Lehre von dem Inneren Licht lernte Smith in ihrer Kindheit keine religiösen Lehren kennen, da diese bei manchen Quäkern damals für überflüssig erachtet wurden.
Am 5. November 1851 heiratete sie den Quäker Robert Pearsall Smith (1827-1898) und zog mit ihm nach Germantown. Später, von 1864 bis 1868, lebten Hannah und Robert Smith in Millville, New Jersey, wo Robert eine Glasfabrik des Vaters von Hannah leitete. Erst 1858 verließ sie mit ihrer Familie die Quäker, da diese ihre Bekehrung zum Christentum nicht anerkennen wollten. Denn in den Jahren zuvor war das Ehepaar Smith immer stärker mit der methodistisch geprägte Heiligungsbewegung in Kontakt gekommen. Diese Bewegung ist zwar selbst eine der Wurzeln des evangelikalen Quäkertums von Indiana und der Westküste, wurde aber von den konservativen Quäkern des Ostens strikt abgelehnt.

Michael G. Long (Herausgeber): Christian peace and nonviolence


Bücher über Frieden, Gewaltlosigkeit und Pazifismus gibt es zahlreiche. Was bislang fehlte, ist ein Reader der zentralen historischen Texte dieses Themenbereiches. Mit dem Band „Christian Peace and Nonviolence“ steht jedem Interessierten jetzt die Möglichkeit offen, sich schnell und kompetent zu informieren. Es ist klar, dass in einem solchen Band die Quäker nicht fehlen dürfen, dass aber in „Christian Peace and Nonviolence“ gleich sieben Quäkertexte aufgenommen wurden, darf man als positive Überraschung nehmen. Folgende Texte gelten also im angloamerikanischen Raum als die zentralen Quäker-Friedensdokumente:

-Gerrard Winstanley: The True Levellers Standard

-George Fox: Paper to Friends to Keep Out of Wars and Fights

-Robert Barclay: Epistle of Love and Friedly Advice

-William Penn: An essay towards the Present and Future Peace of Europe

-John Woolman: Journal of John Woolman

-Lucretia Mott: The Subject of Peace is Taking Hold

-Else Boulding: The Re-creation of Relationship, Interpersonal and Global