Donnerstag, 25. April 2013

Der Theologe Samuel Fisher (1605-1665)

Der Quäker Samuel Fisher ist nicht zu verwechseln mit einem Namensvetter, Samuel Fisher (1742-1803), einem Baptistenprediger aus Norwich. Samuel Fisher aus Northampton (der spätere Quäker) wurde ebenda am 9. Dezember 1605 getauft. Sein Vater John Fisher unterhielt ein Handelsgeschäft für Hüte. Sein Studium schloss Samuel Fisher 1627 mit einem Bakkalaureat an der Universität von Oxford, Trinity College, und einem Magister an der New Inn Hall drei Jahre darauf ab. Im Jahre 1627 war Fisher vom Bischof zu Peterborough ordiniert worden. Fisher wurde zunächst Kaplan bei einem adeligen Puritaner. Nach einer weiteren Priesterweihe 1643 bei den Presbyterianern wurde er Priester in der Gemeinde Lydd (Grafschaft Kent). Jährlich verdiente er zweihundert Pounds - für damalige Verhältnisse ein kleines Vermögen.

Sonntag, 7. April 2013

Maurice de Coulon: Meisterwerke der Keramik (Berlin Winter 2012/13)

Diesem Beitrag möchte ich etwas vorwegschicken: ich bin nicht mit Maurice de Coulon näher befreundet als im Rahmen der üblichen Quäker-Mitgliedschaft, ich bin nicht von ihm angerufen oder angemailt worden, um über seine Ausstellung zu schreiben, und ich hoffe, dass ich auch hier künstlerische Leistung unabhängig von persönlichen Erlebnissen, positiver wie negativer Art, möglichst sachlich beurteile. Sine ira et studio also.
Ich muss und will gleich damit beginnen: die kleine Coulon-Ausstellung ist das Allerbeste, was jemals im Quäkerbüro Berlin gezeigt wurde, und wird wohl für viele Jahre auch das Beste bleiben. Es ist nur sehr bedauerlich, dass diese geniale Werkschau schon wieder abgebaut wurde – ich habe es versäumt, rechtzeitig darüber zu berichten. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als eine kleine Rückschau zu bieten. Dem Himmel sei Dank, dass ich die Ausnahmen schon Ende letzten Jahres gemacht hatte, denn Kunst lässt sich schlecht beschreiben: Kunstwerke muss man einfach sehen.

Abb.1: Blick in die Galerie im Eingangsbereich

Glücklicherweise hat der Künstler eine eigene Homepage, so dass ich die biographischen Stationen nicht weiter anführen muss: http://www.de-coulon.de/

       Abb. 2

Coulon kam 1967 zum Quäkertum, und ein Jahr darauf setzt sein künstlerisches Schaffen ein – in einer soziopolitisch bewegten Zeit, zumindest in Westdeutschland. Im Laufe der Zeit hatte er Ausstellungen in Galerien und Museen in Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Frankfurt (am Main), Genf, Hamburg, Hannover, Köln, Mönchengladbach, Wiesbaden und Zürich.

Ein kleiner Rückblick: Vortrag über Quäker in Berlin (Februar 2013)

Mein Dank geht nachträglich an den „Internationalen Lyceum-Club Berlin e.V.“, der mich im Februar 2013 gebeten hatte, in Berlin einen kleinen Vortrag über die Quäker zu halten. Ich bin dem gerne nachgekommen, zumal ein Mitglied der deutschen Quäker einst ebenfalls Mitglied im Dresdner Lyceum-Verein gewesen war: Lili Pollatz (1883-1946). Diese bemerkenswerte Frau, die Arbeitsausschüsse häufig nach Berlin brachte, kam über ihre Freundschaft mit Martha Beerholdt in den Verein.


Samstag, 6. April 2013

Hans Klassen: Ein Lebensschicksal des 20. Jahrhunderts (Teil 3)

Klassen als Verleger

Noch ein letztes wichtiges Ereignis im Leben von Hans Klassen fiel in die Neu-Sonnenfelder Jahre: Er gründete einen Verlag. Zunächst vor allem, um für die Kommune Neu-Sonnefeld Werbung zu machen und um die Ideen der Mitglieder, also Pazifismus, Völkerverständigung und Vegetarismus, weiter zu verbreiten. Der Name lautete zunächst etwas umständlich „Verlag Neu-Sonnefelder Jugend Quäkersiedlung Sonnefeld bei Coburg“, wurde aber schon Ende der 20er Jahre in „Neu-Sonnefelder Jugend“ geändert. Verlegt wurde hauptsächlich pazifistische und religiös-soziale Literatur, also Gandhi, Tolstoi oder Bulgakov, dann auch Quäkerliteratur aller Richtungen sowie Kinder- und Jugendliteratur. Das wichtigste Produkt war jedoch zunächst eine Zeitschrift, die Klassen seit 1924 gemeinsam mit Johannes Harder herausgab und die den Titel „Neu-Sonnefelder Jugend“ erhielt. Hier erschienen Berichte, die noch heute die wichtigste Quelle zu der Kommune darstellen.

Das Verlagslogo in den 1920er Jahren.

1928 zog der Verlag erstmals um. Während Valentin Bulgakovs „Leo Tolstoj und die Gegenwart“ 1927 noch im Verlag „Neu-Sonnefelder Jugend Quäkersiedlung Sonnefeld bei Coburg“ erschienen war, erschien „Sie starben um des Glaubens willen“, ebenfalls von Bulgakov, ein Jahr darauf schon im „Verlag Neu-Sonnefelder Jugend, Heppenheim an der Bergstraße“. Ab April 1937 wurde die ganze Verlagsarbeit nach St. Urban am Ossiacher See in Kärnten verlagert. Klassen beabsichtigte, langfristig in Österreich, wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt, zu bleiben. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Werke aus seinem Verlag von den Nationalsozialisten möglicherweise verboten wurden, so beispielsweise „Der Eremit und andere Erzählungen“ von Ebba Pauli (1873-1941), das 1927 aus dem Schwedischen übersetzt worden war. Klassen behauptet dies zumindest 1949, doch es scheint der Wahrheit nicht zu entsprechen. Ein Verbot der Bücher Paulis ist ebensowenig nachzuweisen wie ein Verbot anderer Schriften aus dem Verlag Klassens. Ganz im Gegenteil; so erwähnt 1941 die christliche Jüdin Nelly Oettinger (geb. 1883) in ihrem letzten Brief vor ihrer Deportierung und Ermordung, dass sie sich gerade das Buch „Der Eremit“ gekauft habe.

Rudolf Cohen: ein Kämpfer gegen Diskriminierung

Jetzt bald, am 1. Mai 2013, wird nach langen Vorarbeiten ein Buch über das Münchner Quäker-Ehepaar Cohen erscheinen. Zwischen November 1938 bis Dezember 1941 suchten mehr als 300 Mitbürger jüdischer Herkunft Hilfe bei Rudolf und Annemarie Cohen. Das Ehepaar galt als die Münchner Anlaufstelle der Quäker. So gelang es den Cohens, rund 200 Menschen zu retten, indem sie Kontakte vermittelten, bei der Ausreise halfen und finanzielle Unterstützung organisierten. Die von dem Bibliotheksdirektor a.D. und emeritierten Professor für Bibliothekswissenschaft Peter Zahn (geb. 1936) Studie hat anhand von Besuchsprotokollen 326 Einzelschicksale aufgearbeitet, hinter denen mehr als 1.000 Angehörige stehen. Diese Biographien sind eine wahre Fundgrube für weitere Studien und umfassendere Fragestellungen zum Handeln der Quäker im bzw. gegen das Dritte Reich.

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Oldenbourg Wissenschaftsverlag (1. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3486717324
ISBN-13: 978-3486717327

Mit den Herausforderungen des Lebens kämpfende Quäker: Karl-Heinz Pollatz

In Bensheim gibt es im Monat April 2013 ein öffentliches Werkstattgespräch über die Teilnahme von Quäkern während des Zweiten Weltkriegs. Da ich gebeten worden bin, auch zu den Quäkern einen Beitrag in diesem Kreis zu leisten, bin ich der Bitte gerne nachgekommen. Mich interessiert dieser Gegenstand seit Jahrzehnten und ich habe mich verschiedentlich mit dem Thema Kriegsdienstverweigerung beschäftigt, zuletzt mit dem kleinen Beitrag „Kriegsdienstverweigerung im 19. Jahrhundert“ (in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, 12, 2, 2008, S. 204-222).

Margrit Seidler verstorben

Am 7. März 2013 ist Margrit Seidler verstorben. Die Nachricht kam für mich nicht überraschend, aber es ist auch dann nicht leicht Abschied zu nehmen, wenn man gemeinsam über das Ende spricht. Ich war bis zuletzt mit der Münchner Quäkerin in Kontakt und verdanke ihr viel, sehr viel. Über Jahre pflegten wir eine reichhaltige, liebevolle und respektvolle Korrespondenz und haben uns mehrfach getroffen, in Berlin wie München. Von ihr bekam ich einmal den Hinweis auf folgende Sätze von Diana Lampen:

 „Von den Astronomen wissen wir, dass einige der Sterne, die wir sehen, gar nicht mehr da sind: Ihr Licht hat nämlich so viele Jahre benötigt, um uns zu erreichen, dass wir es erst jetzt sehen. Diese Tatsache vermindert keineswegs ihre Schönheit und die Freude, die wir daran haben“