Montag, 18. März 2013

Anne Finch Conway (1631-1679): Quäkerin, Philosophin, Esoterikerin

                          Die Philosophin mit Hund (Source wikimedia)

Anne Finch war das jüngste von elf Geschwistern von Sir Henry (Heneage) Finch (gest. am 7. Dezember 1631), einem Abgeordneten des House of Commons und seiner Ehefrau Elizabeth Cradock Benet. Dank des Vermögens ihrer Familie mußte Anne nicht arbeiten, sondern konnte ihre Kindheit in einer großen Londoner Stadtvilla samt Garten (Kensington House) verbringen. Neben der üblichen Erziehung, die den Frauen ihrer Zeit gewährt wurde, lernte sie Hebräisch, Altgriechisch und Latein. Französisch, Astronomie und Mathematik soll sie sich anhand des Bücherstudiums selbst beigebracht haben. Schon frühzeitig entwickelte sie eine Passion für philosophische Lektüre, die sie ihr Leben lang begleitete. Zu den von ihr bevorzugten Autoren zählten Plato, Plotinius, Philo Judaeus und besonders die „Kabbala Denudata“. Ebenso wurden von ihr mystische und theosophische Schriften geschätzt. Ein Teil dieser Texte wurde ihr von ihrem älteren Bruder John beschafft, der an der Universität von Cambridge studierte. 

Sonntag, 3. März 2013

Keine Laien, sondern nur Päpste: Zu Gast bei den Berliner Quäkern

Gäste, die die Berliner Quäker-Versammlung besuchen, um dann ein paar Zeilen darüber zu schreiben, gibt es zahlreiche. Kaum ein Jahr vergeht ohne einem solchen Besuch. Üblicherweise werden solche Termine auf Bezirksversammlungen oder Arbeitsausschüssen gelegt, damit überhaupt ein paar Quäker anwesend sind. Zur Not wird man per Telefon oder Mail zur Anwesenheit aufgefordert. So ist es nun auch kein Zufall, dass an dem Besuchstag von Adolf Stock (Deutschlandradio Kultur) gleich Gisela Faust, Herbert Möller, Martin Lutz und auch Susanne Jalka zu Worte kommen. Letztere am ausführlichsten, doch hätte man erwähnen sollen, dass Jalka gar nicht die Berliner, sondern die Wiener Quäker vertritt (warum Adolf Stock in seinem Bericht immer "die Jalka" schreibt, kann ich mir nicht so recht erklären - unschön).

Wie kaum zu vermeiden, finden sich in einem solchen Bericht einige kleine Fehler: es gibt nicht 300 Quäker in Deutschland, sondern 250 in Österreich und Deutschland. Zieht man diejenigen ab, die im Ausland leben, die den Kontakt zur JV verloren haben bzw. sehr alt sind, kommt man auf ca. 150 Aktivquäker, aber auf eine erstaunlich hohe Zahl von engagierten und treuen Freunden der Freunde (die allerdings nicht erwähnt wurden)
-die Berliner Quäker besitzen kein Haus, sondern lediglich eine moderne Erdgeschoßwohnung im Zentrum der Stadt.
-"Quäkerspeisung" werden die Hilfsdienste nach dem Ersten, nicht nach dem Zweiten Weltkrieg genannt.
-Etwas peinlich ist die misslungene Zusammenstellung der Quäkerzeugnisse am Ende des Beitrages. Kaum zu glauben: das Soziale Zeugnis wird nicht einmal erwähnt (etwas aus der Mode gekommen, anscheinend). Wer sich über die tatsächlichen Quäker-Zeugnisse informieren möchte, kann das an anderer Stelle besser nachlesen.

Richard Foster: Leben mit Gott (Buchbesprechung)

Eine sorgfältige, faire und genaue Buchbesprechung, wie man sie im Internet selten findet, leistet Georg Walter (Höfen). Er bespricht:

Richard Foster, Leben mit Gott – Wie die Kraft der Bibel uns verändert, SCM Brockhaus, 2010.


Quäkertexte aus den USA oder England in deutscher Sprache sind Mangelware, allein schon daher ist das Buch für uns (also die Quäker) ein Gewinn. Walter kommt zu folgendem Fazit: "Das Buch von Richard Foster Leben mit Gott enthält einige Aussagen über die Nachfolge eines Christen, die man stehen lassen kann. Dennoch erweckt Foster den Eindruck, ein Christ könne nur dann geistlich wachsen, sofern er die kontemplativen Methoden der Mystiker praktiziert. Die Praktiken mittelalterlicher Mystiker stellt Foster überhaupt nicht in Frage oder prüft sie anhand der Schrift. Eine klare Trennung zwischen Gnade und Gesetz, zwischen Werken und Glaube verschwimmt bei Foster. Das Leben mit Gott tiefer zu gestalten, ist Fosters Ziel. Um dies zu erreichen, führt Foster die Vorbilder katholischer Mystiker und Mystikerinnen oder zweifelhafter Charismatiker ebenso an wie Bücher oder Schriften von Heiligen vergangener Zeiten. Entdecken wir tatsächlich „neu die Kraft der Bibel“ (Rückseite), wenn wir Fosters Anweisungen folgen? Diese Frage muss mit einem klaren Nein beantwortet werden. Wer sich auf mystische Pfade begibt, wird vom schmalen Weg des Wortes Christi abkommen".